Georg Friedrich HändelAuch wenn wir heute Georg Friedrich Händel (auch anglisiert als George Frideric Handel, 1685-1759) heutzutage hauptsächlich als den Komponisten des Messiah und der Feuerwerksmusik und der Wassermusik-Suiten wahrgenommen wird, hat er in Wirklichkeit zu zahlreichen Gattungen wichtige Beiträge geschrieben. Einen besonderen Rang in seinem Œuvre nehmen seine 46 Opern (später auch die Oratorien) ein, die für ihn eine essentielle Wichtigkeit hatten, bedeuteten sie doch über viele Jahre seinen wichtigsten Broterwerb – und auch mehrfach seinen finanziellen Ruin. Flavio, Re de’ Langobardi, HWV 16 (zu Deutsch Flavio, König der Langobarden) ist eine Oper in drei Akten nach dem italienischsprachigen Libretto von Nicola Francesco Haym (1678-1729), die am 14. Mai 1723 im Londoner King’s Theatre uraufgeführt wurde. Die Oper konnte den Erfolg der zuvor gespielten Opern Floridante und Ottone nicht wiederholen, war aber auch kein völliger Misserfolg.

Early Opera Company, C. Curnyn: Handel - FlavioThematisch kreist sie, wie so viele Opern jener Tage, um Ehre, Liebe, Treue – und am Ende gewinnt natürlich das Gute, Edle und Schöne, gewiss also kein psychologisch differenzierter Stoff, mit dem man als Mensch des 21. Jahrhunderts viel anfangen könnte, zu einfach, zu durchsichtig sind Schlussfolgerungen, zu undifferenziert die Charaktere. Musikalisch erweist sich Flavio allerdings, wie so viele Opern Händels, als ein echtes Kleinod, eine kleine (Wieder-)Entdeckung, die gerade in der nun erschienenen Einspielung der Early Opera Company (auf Originalinstrumenten) unter Christian Curnyn äußerst hörenswert ist, auch für den Hörer von heute. Die Reihe der namenhaften Sänger wie die Countertenöre Tim Mead in der Titelrolle und Iestyn Davies als Guido sowie der bezaubernden Rosemary Joshua als Elena und der ebenso hinreißenden Hilary Summers als Teodata runden das Bild einer hochklassigen Veröffentlichung ab. Beachtenswert auch die Nebenrollen, vor allem die Mezzosopranistin Renata Pokupić als Vitige.

Christian Curnyn ist ein Wiederholungstäter: Schon 2007 überraschte er mit einer überaus gelungenen Einspielung des Händel-Oratoriums Semele die Presse und das Publikum. Nun also Flavio, Re de’ Longobardi und wieder ist es diese souveräne, aber doch eher zurückhaltende Art der Orchesterführung, die diese Einspielung so besonders macht. Curnyn gibt zügige Tempi vor und lässt das Orchester leicht und transparent wirken, aber er ist nicht der alleinige Star dieser Einspielung. Er dirigiert weise, verzichtet auf effektvolle Mätzchen, eine Einstellung, die sich erfreulicherweise auf alle Beteiligten übertragen hat. Ganz gleich, ob die Rolle groß oder klein ist, die Akteure befinden sich alle auf dem selben hohen Niveau und musizieren miteinander. So ist eine unglaublich homogene Aufnahme entstanden, die keine Schwächen hat, übrigens auch nicht im Klangbild, einem Problemfall vieler Opern (wie ich meine). Selbst wenn man das trendige Coverbild nicht so recht goutieren kann, die schöne Box mit dem 135-seitigem Booklet sind sehr gelungen.

Die Besondere CD - CodaexEine mustergültige Einspielung dieser Oper mit starken Sängern und einen sehr guten Ensemble, exzellenter Aufnahmetechnik und eine schön gestalteten Aufmachung: Mehr kann man aus dieser Händel-Oper vermutlich gar nicht herausholen: ‘Die besondere CD‘ im Oktober 2010.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die Doppel-CD Handel – Flavio, Re de’ Longobardi der Early Opera Company unter der Leitung von Christian Curnyn ist am 22. Oktober bei Chaconne (dem Alte-Musik-Unterlabel von Chandos, CHAN 0773) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Flavio, Re de’ Longobardi, HWV 16 (1723)
Oper in drei Akten von Georg Friedrich HändelLibretto: Nicola Haym
nach Il Flavio Cuniberto von Matteo Noris
Performing edition: Peter Jones

Flavio, Re de’ Longobardi – Tim Mead, Countertenor
Guido, figlio d’Ugone – Iestyn Davies, Countertenor
Emilia, figlia di Lotario – Rosemary Joshua, Soprano
Teodata, figlia d’Ugone – Hilary Summers, Contralto
Vitige, amante di Teodata – Renata Pokupić, Mezzosopran
Ugone, consigliere di Flavio – Thomas Walker, Tenor
Lotario, consigliere di Flavio – Andrew Foster-Williams, Bassbariton

Early Opera Company, Christian Curnyn



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