Archiv für September 2010

Das flämische Ensemble B’Rock sorgt – nicht nur im heimatlichen Belgien – für frischen Wind in der Alte-Musik-Szene. Hier nun, als Gruß zum Monatsende, zwei kleinere Konzerte von Antonio Vivaldi (1678-1741), namentlich die Konzerte RV 114 in C-Dur und RV 121 in D-Dur. Das Orchester wird (in diesem Fall) geleitet von Frank Agsteribbe (am Cembalo).


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L´Art Du Bois - Quelle: artdubois.deOhne die Alte-Musik-Bewegung und der daraus erwachsenen historischen Aufführungspraxis würde die heutige Musiklandschaft deutlich ärmer sein. Kaum eine Szene, die sich so rapide weiterentwickelt, wie jene anfangs belächelte, nonkonformistische der Alten Musik. Von den Anfängen in den späten 1950er-Jahren (durch die  Cappella Coloniensis in Köln, den Concentus Musicus Wien und zahlreiche andere Ensembles) bis heute hat sich die Szene zyklisch weiterentwickelt, erweitert, spezialisiert und perfektioniert, sowohl vom Erkenntnisstand, als auch vom Repertoire und der Spieltechnik. Wer heute Alte Musik macht, verfügt über profunde Kenntnisse in Musikgeschichte, Instrumentenbau, historischen Spieltechniken usw. Zahlreiche Ensembles präsentieren heute ihren ganz persönlichen Mikrokosmos des quasi unerschöpflichen Fundus der Musik und eröffnen so immer neue, immer wieder spannende Einblicke in unsere musikalische Vergangenheit. Ein gutes Beispiel für die Vitalität und Jugend der Alten-Musik-Szene (sic!) ist das Freiburger Ensemble L’Art du Bois (zu Deutsch “Die Kunst der Holzbläser“), das seit einigen Jahren mit bemerkenswerten Veröffentlichungen und Konzerten früher Blockflötenmusik (als Trio oder mit Begleitung als Sextett) auf sich aufmerksam gemacht hat.
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Anette Maiburg: Classica VenezolanaNicht überall in der Welt sind die Begriffe klassische Musik und Folklore so strikt voneinander getrennt wie im europäischen Kulturbewusstsein (noch nicht einmal in ganz Europa, wenn man es recht bedenkt). In zahlreichen Ländern und Kulturen fallen diese Begriffe zusammen, stehen eng beieinander oder sind so sehr durchmischt, dass eine “saubere Trennung” unmöglich wäre und keinen Sinn machen würde. Der europäische Kunstbegriff, der sich im Barock, vor allem aber in der Klassik und Romantik des 19. Jahrhunderts ausbildete, bleibt anderen Kulturkreisen fremd. Ein gutes Beispiel für die unzertrennliche Verquickung von Folklore und Kunstmusik ist das breite musikalische Spektrum Lateinamerikas. In der Reihe »Classica« des renommierten audiophilen Labels MDG stellt die deutsche Flötistin Anette Maiburg bereits in der dritten Ausgabe die Musik der wichtigsten Länder Lateinamerikas mit Musikern des Landes vor. Nach »Classica Cubana« (2008) und »Classica Argentina« (2009) ist nun das Album »Classica Venezolana« erschienen, das sie mit der Sängerin Fabiola José, dem Gitarristen Nirse González und dem Cuatro-Spieler Jesús González Brito (Das Cuatro ist eine kleine viersaitige [cuatro (span.) = vier] der Ukulele ähnlichen Gitarre) aufgenommen hat.
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J. Vogler - BRSO: K. Järvi - E. Carter - U. Zimmermann - Cello ConcertosDie Reihe musica viva des Bayrischen Rundfunks ist einer der ältesten und renommiertesten Konzertreihen mit Neuer Musik in Deutschland. Am 15. Mai 2009 wurde im Rahmen dieser Konzertreihe das Cellokonzert »Lieder von einer Insel« von Udo Zimmermann (gleichzeitig der musikalische Leiter der Konzertreihe) im Münchner Herkulessaal der Münchener Residenz uraufgeführt. Am gleichen Abend stand außerdem das Cellokonzert von Elliott Carter auf dem Programm, das der Amerikaner im Alter von 93 Jahren (!) vor einigen Jahren geschrieben. Es spielte das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter der Leitung von Kristjan Järvi. Als Solist glänzte der mehrfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete deutsche Star-Cellist Jan Vogler. Der Mitschnitt jenes Doppel-Konzerts wurde nun in bester Super-Audio-Qualität in der Reihe »musica viva« veröffentlicht. Es ist die bereits die 16. reguläre CD-Veröffentlichung dieser Reihe, die seit 2006 beim Spezialisten-Label für Neue Musik Neos erschienen ist.
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Das Klavier war das Instrument des Felix Mendessohn BartholdyFelix Mendelssohn Bartholdy. Er wurde als Wunderkind und Virtuose am Klavier gefeiert und seine frühen Lieder ohne Worte, die Miniaturen aus Heft 1 komponierte er etwa zwischen 1829 und 1830, waren sehr erfolgreich und erschienen in ganz Europa im Druck, Mendelssohn selbst fand diese Werke jedoch deutlich überbewertet. Er zweifelte immer wieder an seinen Fähigkeiten für sein Instrument, das Klavier, zu komponieren. So schreibt er 1834 an den befreundeten Klaviervirtuosen Ignaz Moscheles anlässlich der Fertigstellung des Rondo brilliant: »Meine eigene Armuth an neuen Wendungen fürs Clavier ist mir wieder recht bei dem Rondo brillant aufgefallen; die sind es, wo ich immer stocke und mich quäle.« Hört man heute eben dieses von Mendelssohn so kritisch bewertete Rondo oder gar das 1831 entstandene erste Klavierkonzert in g-Moll, so kann man seine Skepsis nicht nachvollziehen. Wie viele Künstler hatte Mendelssohn Schwierigkeiten sein eigenes Werk richtig zu beurteilen und richtig einzuschätzen. Eine gute Gelegenheit sich von Mendelssohn  hervorragenden Fähigkeiten als Komponist fürs Klavier zu überzeugen, auch (und gerade!) in langsamen Passagen (die er besonders monierte), ist die gerade bei PentaTone Classics erschienene Neuaufnahme der Klavierkonzerte Nos. 1 & 2 und eben jenem kritisch bewertetem Rondo brilliant, eingespielt vom renommierten belgischen Klangkörper des Royal Flemish Philharmonic unter der kompetenten Leitung von Philippe Herreweghe und dem jungen Berliner Pianisten Martin Helmchen als Solisten.
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Marc-André Hamelin: ÉtudesKaum ist die CD des Monats September 2010 (→ hier auf blog.codaex.de) Études von Marc-André Hamelin auf dem deutschen Markt erhältlich, schon wird die deutsche Kritik auf dieses außergewöhnliche Album aufmerksam.

Helmut Rohm, Redakteur beim süddeutschen Klassiksender BR Klassik, hat das Album im Rahmen der Rubrik »CD-Tipps« besprochen und ist davon vollends begeistert.

Der »technisch womöglich perfekteste Pianist aller Zeiten« habe »eminent vielschichtige« geschaffen, »in denen die eigenen manuellen Fertigkeiten und musikalischen Visionen auf höchstem Niveau exemplifiziert erscheinen.«

Er resümiert:

»(…) All diesen Charakterstück-Etüden (…) scheint ein Element inne zu wohnen, das wie eine Droge wirkt. Kaum ein Liebhaber von verzwickter Pianistik wird sich dem entziehen können.«

Den gesamten Artikel kann man → hier nachlesen.

Die CD Études von Marc-André Hamelin ist am 17. September 2010 bei Hyperion (CDA 67789) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Arabella Steinbacher - © Arabella Steinbacher (arabella-steinbacher.de)Dass Arabella Steinbacher eine der ganz wenigen Ausnahmeerscheinungen der deutschen Klassikszene mit wirklich internationalem Format ist, hat sich längst herumgesprochen. Zahlreiche renommierte Auszeichnungen, unter anderem zweimal den Echo Klassik – einmal als beste Nachwuchskünstlerin (2007) und heuer für die die beste Konzerteinspielung des Jahres für die CD mit Dvořák und Szymanowski (s. dazu auch den Artikel »Echo Klassik 2010: Die Preisträger im Codaex-Vertrieb« hier) – und zahlreiche ausverkaufte Konzerte im In- und Ausland vor begeistertem Publikum belegen dies nachhaltig. Dabei wählt Arabella Steinbacher keineswegs ein leichtes Programm mit populären Werken: Ihre Diskografie umfasst bemerkenswert wenig “Standardrepertoire”, dafür umso mehr ungewöhnliches, selten gehörtes, kantiges, technisch anspruchsvolles, das oft genug zu Unrecht halb vergessen wird: das Violinkonzert von Aram Khachaturian, die ersten zwei Violinkonzert von Darius Milhaud, die beiden Violinkonzerte von Dmitri Shostakovich, die Violinkonzerte von Alban Berg und Karol Szymanowski und nun bei ihrer neuesten Produktion die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók: Man kann wirklich nicht behaupten, dass sie sich das bekannteste, am leichtesten verdauliche Repertoire ausgesucht hat, im Gegenteil: Mit ihrem Schwerpunkt auf die großen Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts beweist sie Mut zum Risiko, ein Risiko, das sie freilich mit ihrer überragenden Technik und ihrem Einfühlungsvermögen – gerade bei diesen Werken – buchstäblich spielerisch meistert.
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Marc-André Hamelin: ÉtudesEine wirklich ungewöhnliche Besprechung zu Marc-André Hamelins neues Album »Études« beginnt mit dieser nicht ganz ernst gemeinten Einleitung:

»Lieber Marc-André,
ich habe bei Hyperion gebittet und gebettelt, dass sie dieses Album unter Verschluss halten. Aber nun da es veröffentlicht ist, bleibt uns Komponisten/Pianisten nichts anderes übrig als den Beruf aufzugeben. (…)
«

So der Komponist/Pianist (und Blogger) Jed Distler in seiner “Brief-Besprechung”, die auf den Webseiten des wohl renommiertesten englischen Musikmagazins Gramophone vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Distler “beschwert” sich darin bei Hamelin für sein überaus gelungenes Album: Den Rest des Eintrages lesen »

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Marc-André Hamelin: ÉtudesDer kanadische Pianist Marc-André Hamelin ist definitiv kein Klassikstar, den man aus deutschen Samstagabend-Shows kennen würde und obwohl die Kritiker seit Jahren voll des Lobes sind, ist er – im Vergleich zu einigen anderen Pianisten seiner Generation – in Deutschland eher ein Geheimtipp, der gerade unter Pianisten hoch gehandelt wird. Aber dennoch ist Hamelin alles andere als ein Musicians’ musician oder ein unnahbarer Pianist im Elfenbeinturm. Sein Klavierspiel zeugt von Humor, seine Interviews (und seine Anmerkungen in den Booklets!) sind geistreich und obwohl Hamelin einer der technisch (und interpretatorisch) Besten seiner Zunft ist und sein Programm alles andere als leichte oder gewöhnliche Kost ist,  sind seine Konzerte anderswo, in Kanada, den USA und in Großbritannien, alles andere als rein elitäre Veranstaltungen für ein paar Connaisseurs. Der vielfache Preisträger (darunter mehrfach der der kanadische Juno Award,  der kanadische Opus Award, der Preis der deutschen Schallplattenkritik inklusive der Ehrenurkunde (= Höchste Auszeichnung) desselben im Jahr 2006 u.v.m.) legt nun mit Études (auf Hyperion) seine erste CD vor, auf der ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind.
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Matthias Bamert - Quelle: chandos.netSeit fast 20 Jahren, genauer gesagt seit 1993, präsentieren die London Mozart Players mit ihrem damaligen Chefdirigenten (und jetzigem Gastdirigenten) Matthias Bamert in der Reihe Contemporaries of Mozart des britischen Labels Chandos (zu Unrecht) vergessene Sinfonien und sinfonische Werke aus der Zeit und aus dem Umfeld Mozarts. London Mozart Players - Sinfonien (5CD-Box)Die über 20 Veröffentlichungen umfassende und immer noch nicht abgeschlossene Reihe – die letzte CD mit Sinfonien von Luigi Boccherini erschien im Juni dieses Jahres (s. dazu auch die → Besprechung hier im Blog) – ist ein unschätzbar wertvoller Beitrag zur Neubewertung der (Wiener) Klassik geworden. Bamert und die Mozart Players belegen, dass es in jener denkwürdigen Epoche nicht nur die drei Kronen der Wiener Klassik gab – Haydn, Mozart und Beethoven – sondern eine Vielzahl von fähigen Komponisten, die wertvolle und hörenswerte Beiträge zur Gattung Sinfonie beigetragen haben. Die nun veröffentlichte preisgünstige Sammelbox”Contemporaries of Mozart Collection” fasst die bereits veröffentlichten Alben mit Werken von Franz Krommer (1759-1831), Leopold Koželuh (auch in der eingedeutschten Schreibweise Leopold Kozeluch bekannt, 1747-1818), Ignaz Josef Pleyel (1757-1831), Carl Stamitz (1745-1801) und Paul Wranitzky (1756-1808) zusammen, die Aufnahmen entstanden zwischen 1993 und 2001.
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