Pamela Thorby & Elizabeth Kenny: The Nightingale and the Butterfly
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, Rezension
Die Renaissance und der vor allem das Barock waren eine gute Zeit für die Blockflötenmusik. Zahlreiche Varianten der Blockflöte waren in Europa regional und überregional verbreitet und erst gegen Ende des Barocks wurde die Blockflöte von der Querflöte immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Bemerkenswert an den Werken für Blockflöte aus jener Zeit ist, dass sie oft für ein spezifisches, regionales Instrument geschrieben wurden und dass so eine Wechselwirkung aus dem Instrument und der Musik entstand. So unterscheiden sich deutsche, englische, italienische und französische (Block-) Flötenmusik unüberhörbar voneinander, nicht nur in den verwendeten Blockflöten, sondern auch im Charakter.
Der Blockflöte kam in der französischen Barock-Oper oft eine besondere Rolle zu, wurde sie doch oft zur Unterstreichung der pastoralen Ambienti und Szenen genutzt. Andererseits sind nur wenige französische Kammerwerke für Flöte erhalten, diese jedoch haben alle eine schlichte Eleganz und eine betörende Direktheit gemein, die man so nur mit Frankreich assoziieren würde.
Die britische Flötistin Pamela Thorby hat mit der Lautistin Elizabeth Kenny auf dem vorliegenden Album für das schottische Label Linn Records “The Nightingale and the Butterfly” (zu Deutsch ‘Die Nachtigall und der Schmetterling’) einige Höhepunkte barocker Flötenmusik aus Frankreich von den Komponisten Louis Caix d’Hervelois (1680-1759), François Couperin (1668-1733), Charles Dieupart (ca. 1667-1740), Anne-Danican Philidor (trotz des weiblichen Vornamens handelte es sich hierbei um einen Mann, 1681-1721) und Robert de Visée (1660-1732) zusammengetragen.
Dem geordneten Kontrapunkt der deutschen Musik setzen die französischen Komponisten entweder tänzerische oder überraschend freie Elemente, fast improvisiert anmutend entgegen. Sowohl die Suiten, als auch die kürzeren Stücke (insbesondere von Couperin), strahlen solch eine Leichtigkeit, solche eine poetische Schlichtheit aus, dass man verwundert ist, wie solch einfache, fast volksmusikhaft anmutende Werke im absolutistischen Frankreich gedeihen konnten. Es kann wohl nur so sein, dass sie im völligen Widerspruch zur damaligen Realität entstanden, denn weder das höfische, noch das Frankreich der normalen Bevölkerung hatte viel von dieser träumerischen Melancholie.
Bemerkenswert gelungen finde ich auch das Artwork mit seinen schönen Makroaufnahmen, sowie (auch so etwas fällt mir auf, wenn es besonders schön gemacht ist) die verwendeten Schriftarten im ausführlichen, leider aber nur englischen Booklet.
Die SACD The Nightingale and the Butterfly von Pamela Thorby & Elizabeth Kenny mit Werken von Louis Caix d’Hervelois, François Couperin, Charles Dieupart und Robert de Visée ist am 23. Juli 2010 auf Linn Records (CKD 341) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Inhalt:
- Louis Caix d’Hervelois – Deuxième Suite in G major
- Robert De Visée – Passacaille
- Anne-Danican Philidor – Sonate pour la flûte à bec
- Charles Dieupart – Suite No. 1 in A major ‘pour une flûte de voix’
- Robert De Visée – Suite in D minor
- François Couperin – Le Rossignol-em-amour
- Charles Dieupart – Suite No. 6 in F minor ‘pour une flûte de quatre’
- François Couperin – Le Rossignol Vainqueur
- François Couperin – Double de Rossignol
Ähnliche Beiträge:
- L’Art du Bois: Musical Humors & Lamentations
- Mezzaluna – Recorders Greate And Smale
- “Johann Friedrich Fasch – Orchestral Works, Vol. 2″ des Ensembles Tempesta di Mare als »CD der Woche« bei mdr Figaro

Einträge (RSS)