Antonin DvorákAntonín Dvořák (1841-1904) wendete sich in den letzten Jahren seines Lebens noch einmal intensiv der Oper zu. Zwar hatte er in allen Phasen seiner Karriere bereits Opern geschrieben – seine erste Oper “Alfred” entstand 1870 – doch nachdem er mit der Orchester- und Kammermusik endgültig abgeschlossen hatte, fand er ausreichend Zeit und widmete sich ausschließlich der Oper. Innerhalb seiner letzten sechs Lebensjahre entstanden drei seiner gelungensten Opern: Čert a Káča (zu Dt. ‘Die Teufelskrähe‘, 1898/99) op. 112, Rusalka, op. 114 (1900) und Armida, op. 115 (1902/3).

Vor allem die lyrische Oper Rusalka, die Dvořák 1900 nach einem Libretto von Jaroslav Kvapil geschrieben hatte und die am 31. März 1901 am Prager Nationaltheater uraufgeführt wurde, wurde schnell weit über die Landesgrenzen hinaus populär und gilt heute, gemeinsam mit Prodaná nevěsta (zu Dt. ‘Die verkaufte Braut‘) von Bedřich Smetana, als beliebteste und bekannteste tschechische Oper.

LPO, J. Bělohlávek: A.  Dvořák - RusalkaIm Sommer 2009 wurde beim wohl berühmtesten englischen Opernfestival, dem Glyndebourne Festival Opera, Dvořáks Rusalka aufgeführt. Die Titelrolle sang die puertoricanische Sopranistin Ana Maria Martinez, die mit einer Glanzleistung das Publikum und die Kritiker gleichermaßen begeisterte. So eine Sängerin hatte man schon lange nicht mehr als Rusalka erleben können: Ana Maria Martinez meisterte die (selbstverständlich) in der Originalsprache Tschechisch aufgeführte Partitur mit bemerkenswerter Sicherheit, märchenhafter Leichtigkeit, sinnlicher Weiblichkeit und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz.

Der Erfolg der Produktion (und des nun erschienenen Mitschnitts auf CD) hat allerdings weitere Gründe: Neben der strahlenden Hauptrolle glänzte der junge US-amerikanische Tenor Brandon Jovanovich als in der Liebe wankelmütiger Prinz nicht minder und auch die Nebenrollen sind brillant besetzt (eine besondere Erwähnung verdient die russische Mezzosopranistin Larissa Diadkova als Ježibaba). Überragend auch und vor allem die durch und durch beseelte Leistung des London Philharmonic Orchestradas mitteleuropäischste aller Londoner Ensembles«, Hugh Canning in seiner → Besprechung für The Sunday Times) unter der souveränen Leitung von Jiří Bělohlávek, der es verstanden hat, den beteiligten Akteuren das Tschechische Element dieser Oper ebenso klarzumachen, wie das träumerische, das märchenhafte, aber eben auch das zutiefst menschliche dieser Oper. Ohne jeden Zweifel konkurriert diese neue Live-Aufnahme künstlerisch mit den beiden richtungweisenden Aufnahmen der Tschechischen Philharmonie unter Václav Neumann (1983, Supraphon) und unter Charles Mackerras (1998, Decca) um den ‘Titel’ der Referenzaufnahme der Rusalka schlechthin.

Anders als die beiden anderen Referenzaufnahmen handelt es sich bei dieser Veröffentlichung um eine unverfälschte Live-Aufnahme, die während des Festivals mitgeschnitten wurde. Dadurch resultiert ein anderer, wenn man so will bühnenhafterer Höreindruck, als bei einer Studioaufnahme. Hier bewegen sich die Akteure auf der Bühne und dies wird im Klangbild der Aufnahme entsprechen wiedergegeben. Glücklicherweise ist diese Aufnahme dennoch überdurchschnittlich (im Sinne der → Bewertungskriterien des Blogs) gut für eine Live-Aufnahme dieser Art, so dass man auch klanglich keine Abstriche zu befürchten braucht.

Die Besondere CD - CodaexEine wundervolle Oper in einer herausragenden Einspielung: Die CD-Ausgabe ist wundervoll ausgestattet: Das dicke Booklet überzeugt mit Bildern, dem kompletten Libretto auf Tschechisch und Englisch, sowie zusammenfassende Einführungen auf Englisch, Französisch und Deutsch. Angenehm auch, dass die drei Akte der Oper auf drei CDs separat daherkommen anstatt auf zwei CDs zusammengequetscht zu werden. ‘Die besondere CD‘ Juli 2010, eine der schönsten Opern-Veröffentlichungen des Jahres.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die 3CD Antonín Dvořák – Rusalka des London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Jiří Bělohlávek mit dem Glyndebourne Chorus und Ana Maria Martinez in der Titelrolle ist am 23. Juli 2010 bei Glyndebourne (GFO 00709) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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