Angela Hewitt - Foto: © MAIWOLF, Quelle: angelahewitt.comDie kanadischen Pianistin Angela Hewitt gehört zu den derzeit beliebtesten und erfolgreichsten Pianistinnen und hat für die ersten beiden Volumina (Vol. 1 mit den Sonaten No. 4, op. 7, No. 7, op. 10/3, No. 23 “Appassionata”, op. 57, © 2005; Vol. 2 mit den Sonaten No. 3, op. 2/3, No. 8 “Pathétique”, op. 13, No. 15 “Pastorale”, op. 28, © 2007) ihrer Gesamteinspielung der Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven, erschienen auf Hyperion Records, bereits viel Lob von der Kritik erhalten. Das Musikmagazin Gramophone sprach von der »Verbindung aus Poesie und Leidenschaft«, die Tageszeitung The Times lobt ihre »Klarheit, Eleganz, Intelligenz und der Glaube daran, den Komponisten für sich sprechen zu lasssen« und das BBC Music Magazine schwärmt über ihre Beethoven-Aufnahmen: »Jeder Moment ist genauso luzid, technisch sicher und fokussiert wie ihre Bach-Einspielungen.« Ich glaube, ich überrasche niemanden, wenn ich an dieser Stelle von vornherein konstatiere, dass Angela Hewitt genau dort weitermacht, wo sie bei den beiden ersten Alben der Klaviersonaten (und bei den Aufnahmen der Cellosonaten, Besprechung dazu auf blog.codaex.dehier) aufgehört hat.

A. Hewitt: L. van Beethoven - Piano Sonatas Vol. 3Wie schon bei den bereits veröffentlichten Alben kombiniert Hewitt populäres Material, in diesem Fall die wohl berühmteste Sonate Beethovens, die sogenannte Mondscheinsonate, No. 14, op. 27/2, mit den weniger bekannten Sonaten aus dem 32-teiligen Zyklus, hier die Nos. 6, 12 und 27. Was macht das Besondere ihres Spiels aus? Nun, da ist zum einen die bemerkenswerte Technik, die sie selbst die schwierigsten Passagen spielerisch leicht meistern lässt, ohne dass sie an Klarheit verliert; da wäre ihre überragende Anschlagtechnik, die so nuancenreich ist, dass sie damit jede kleinste Veränderung im Notentext aufspüren und darstellen kann, da ist (last but not least) ihr Verständnis für diese Musik. Ich denke, Angela Hewitt sieht es mir nach, wenn ich sie als eine weiblich-sinnliche Pianistin bezeichne. Das heißt aber beileibe nicht, dass sie irgendetwas an Kraft oder Stärke vermissen lässt. Hört man etwa den dritten Satz der Mondscheinsonate (die Musikwissenschaftler mögen mir vergeben, dass ich den inkorrekten Namen hier verwende) mit seinem fulminanten Presto, so kann man all ihre pianistischen Fähigkeiten auf einmal bewundern. Jeder einzelne Ton des furiosen Presto ist klar vernehmbar, hier wird die Klarheit nicht dem fulminanten Tempo geopfert, das sie anschlägt. Kraftvoll, ja machtvoll sind ihre Forti und trotzdem behält sie bei diesem fulminanten Satz die Balance. Diese Aufnahmen haben nichts unhistorisches, nicht romantisierendes an sich, obwohl sie auf einem modernen Konzertflügel eingespielt worden sind, genauer gesagt einem unglaublich warm und klar klingenden Fazioli,

Ludwig van Beethoven, 1803Angela Hewitt glänzt nicht nur bei dem bekanntesten Werk des Albums, sondern auch bei den anderen Sonaten. Es ist wirklich eine Freude ihr bei den Variationen der Sonate No. 12 zuzuhören. Hier kommen ihr ihre Erfahrungen mit dem Bach-Repertoire zu Hilfe, die sie die fugenhaften Variationen technisch präzise und inspiriert umsetzen lassen. Klar und leicht, mit der gebotenen Nähe zu Haydn (und gleichzeitig auch mit dem unüberhörbaren Personalstils Beethovens) erklingt bei ihr die frühe Sonate No. 6, während die spätere Sonate No. 27 in Hewitts Klängen empfindsam und und singbar erscheint, Attribute, die auch den Tempobezeichnungen der zweisätzigen Sonate entsprechen. Vielleicht ist diese Diversität die Stärke dieser Aufnahmen: Hewitt deutet Beethovens Klaviersonaten nicht als Ganzes, was ja auch widersinnig wäre, entstanden seine Klaviersonaten über Zeitspanne von fast 30 Jahren, sie deutet jede Sonate neu, fast als Unikat, setzt die Sonate in Zusammenhang mit Beethovens Entwicklungsstand. So leidenschaftlich, so kraftvoll, so empfindsam, so klar und gleichzeitig so präzise hört man Beethoven nicht alle Tage. Angela Hewitt verfügt über alle pianistischen Register, um einen ganz großen Zyklus aufzunehmen.

Übrigens: Sowohl die Aufnahmetechnik dieser ‘normalen CD’, als auch die detaillierten Anmerkungen von Angela Hewitt zu den Sonaten sind wirklich bemerkenswert und liegen weit über dem Durchschnitt.

Die Besondere CD - CodaexImmer wenn man glaubt, man habe schon alles in Sachen Beethoven’sche Klaviersonaten gehört schafft es ein Künstler oder eine Künstlerin diesen zeitlosen Kompositionen etwas Neues, etwas Aufregendes abzugewinnen. Deswegen ist es nicht falsch, wenn man Pianisten an diesen Sonaten misst: Angela Hewitt belegt, dass sie eine ganz große Interpretin ist, deren Können sich aus vielen Stärken und Tugenden zusammensetzt. Natürlich eine ganz ‘besondere CD‘.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Das Album Ludwig van Beethoven – Piano Sonatas Vol. 3 von Angela Hewitt ist am 23. Juli 2010 bei Hyperion (67797) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Piano Sonata No. 12 in A major, op. 26
  2. Piano Sonata No. 6 in F major, op. 10/2
  3. Piano Sonata No. 27 in E minor, op. 90
  4. Piano Sonata No. 14 in C sharp minor, op. 27/2 “Moonlight”


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Eine Antwort zu “Angela Hewitt: Ludwig van Beethoven – Piano Sonatas Vol. 3: No. 6, op. 10/2 · No. 12, op. 26 · No. 14, op. 27/2 “Moonlight” · No. 27, op. 90”
  1. [...] Ludwig van Beethoven, bildet da keine Ausnahme (s. dazu auch die Besprechung auf diesen Seiten→ hier) . Kaum ist das Album auf dem Markt, schon kürt der nordostdeutsche Kultursender rbb Kulturradio [...]

  2.  
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