Als die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque Anfang der 1980er mit Bearbeotungen für Piano-Duo der Musik von George Gershwin (1898-1937) auf Schallplatte, wenig später auch auf CD (für das niederländische Philips-Label) debütierten – es sollte eine der allerersten CDs überhaupt sein, die veröffentlicht wurden – war alles an dieser Veröffentlichung ungewöhnlich: Zwei bildhübsche Schwestern aus Frankreich mit offensichtlich ganz unterschiedlichem Temperamenten spielten Musik eines US-Amerikaners, dessen Musik in Klassik-Kreisen kaum als ‘ernsthafte Musik’ angesehen wurde. Mit dieser Aufnahme wurde der Grundstein für die ungewöhnliche Weltkarriere der beiden Schwestern gelegt, die bis heute andauert. Sie waren schon damals Grenzgängerinnen zwischen den Genres, die zu herausragenden Leistungen sowohl in der populären Musik, als auch in der klassischen Musik fähig sind.

Katia & Marielle Labeque: George GershwinDreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung und lange nachdem diese CD aus den Regalen der Plattenläden verschwunden ist, wurde diese Aufnahme so wie sie damals auf den Markt kam auf dem neuen niederländischen Label Newton Classics wiederveröffentlicht. Newton Classics hat es sich zur Aufgabe gemacht, »alte Freunde« (so die Website) wieder in die Gegenwart zurück zu holen: Mit dieser fast zärtlichen Bezeichnung meinen die Macher von Newton Classics herausragende Aufnahmen von Major Labels (wie Philips, Decca, Deutsche Grammophon etc.), die bei der Original-Plattenfirma längst gestrichen sind. Dieses Album mit den Duo-Aufnahmen der Labèques der “Rhapsody in Blue” und des “Piano Concerto in F”, jeweils in der Fassung für zwei Klaviere, belegt, dass diese alten Aufnahmen (Gute Güte, sind denn schon 30 Jahre vergangen?!) nichts von ihrer Spontaneität und Originalität verloren haben.

Anders als viele andere Interpreten, die aus der klassischen Musik kommen und die sich an Gershwin versucht haben, war den beiden Französinnen von Anfang bewusst, dass Gershwin selbst (wie sie) ein Grenzgänger war. Seine Einflüsse waren mannigfaltig und reichten vom virtuosen Spätromantizismus eines Sergei Rachmaninov über den farbig-perlenden Impressionismus des Maurice Ravel, bis hin zum Jazz und den Melodien der populären Broadway-Musicals. Nur wenn man diese sehr eigene Gershwin-Mischung nachempfinden kann und sich sowohl in der klassischen Musik, als auch im Jazz zu Hause fühlt, wird man der Musik Gershwins gerecht. Die Schwester stellen nicht die Frage, ob Gershwin ‘ernsthaft’ war, sie haben ihn einfach gespielt, seine Musik mit Leben gefüllt, mehr noch: Katia und Marielle Labèque haben es bei diesen Aufnahmen (und bei noch zahlreichen anderen, die folgen sollten) geschafft, sich in das Wesen der Musik hinein zu denken. Ihr Gershwin versucht erst gar nicht seine Jazz-Wurzeln zu kaschieren, im Gegenteil: Wann hatte man jemals zuvor ein so grooviges Klavierduo musizieren gehört? Andererseits offenbart ihre furios-virtuose Interpretation des Materials auch seine Nähe zur klassischen Musik seiner Zeit: Ein Grenzgänger eben, gespielt von zwei Grenzgängerinnen.

Eine schöne (Wieder-) Entdeckung eines musikalischen Phänomens der aufstrebenden US-amerikanischen Musikkultur der 1920er und 1930er Jahre.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Das Album George Gershwin – Rhapsody in Blue & Piano Concerto in F von Katia & Marielle Labèque wurde am 25. Juni 2010 auf Newton Classics (8802004) wiederveröffentlicht – die Originalveröffentlichung ist schon lange vergriffen – und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Rhapsody in Blue (Version for 2 pianos)
  2. Piano Concerto in F (Version for 2 pianos)


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