Aquarelle Guitar Quartet - Photo: © aquarellegq.comDie Gitarre ist eines der wenigen Instrumente, dass in allen Genres der Musik als Solo-Instrument verwendet wird: Sowohl in der Popmusik, als auch im Jazz, im Blues, in den verschiedenen Volksmusiken (und erst recht bei dem, was man unter Folk zusammenfasst) und ebenso in der klassischen Musik. Vielleicht hat diese Omnipräsenz in der Musik dazu beigetragen, dass die Musik für Gitarre auch oft genreübergreifend komponiert wird, dass selbst ‘klassische’ Komponisten bei ihren Werken für Gitarre auch Einflüsse aus anderen Bereichen der Musik aufgenommen haben: Gitarrenmusik ist immer in erster Linie Musik für Gitarren, ganz gleich unter welchem ‘Etikett’ dann diese gehandelt wird. Für die Connaisseurs dieser Musik ist das nebensächlich. So hat der Flamenco-Gitarrist Paco De Lucía 1978 eigens Noten gelernt, um Kammermusik von Manuel De Falla (1876-1946) aufnehmen zu können, 1991 folgte dann sogar das berühmteste Gitarrenkonzert überhaupt, das Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo (1901-1999); der britische Jazz-Gitarrist John McLaughlin wiederum komponierte 1988 sein ‘klassisches’ Mediterranean Concerto für Gitarre und Orchestra.

Aquarelle Guitar Quartet: DancesDas Aquarelle Guitar Quartet (kurz AGQ) aus Manchester, bestehend aus Michael Baker, Vasilis Bessas, James Jervis und Rory Russell, hat gerade seine zweite CD für das Label Chandos namens “Dances” veröffentlicht. Der Titel des Albums ist dann wirklich auch Programm: Dem englischen Quartett ging es auf dem Album darum, die rhythmisch-tänzerischen Möglichkeiten der Gitarre auszuloten und die verschiedensten Tänze zu interpretieren. Auf dem Album vereinen sie Musik aus unterschiedlichen Epochen, etwa aus der Klassik mit einem wundervoll-beschwingten Fandango von Luigi Boccherini (1743-1805), traditioneller Musik vom Balkan, aus Italien und Spanien, dem brasilianischen Jazz des 20. Jahrhunderts von Egberto Gismonti (*1947) und dem europäischen Jazz von Andy Scott (*1966) mit der Welt-Ersteinspielung von “Seven Dances and ‘No Looking Back’”. Man hört Tango Nuevo von Astor Piazzolla (1921-1992) ebenso wie Musik der zeitgenössischen Komponistin und Folk-Musikerin (und ehemaligen Mitstudentin des AGQ am Royal Northern College of Music) Catriona McCay (*1976). Aquarelle Guitar Quartet - Photo: © aquarellegq.comEin Großteil der Stücke wurde von den AGQ-Musikern selbst für Gitarrenquartett umarrangiert, nur Scotts “Seven Dances” und “Hasta Alicia Baila” des Kubaners Eduardo Martin (*1956) mit seinem zum Tanz verführendem Rhythmus sind Originalkompositionen für Quartett. Ob im Original, oder in der Bearbeitung: Das Faszinierende an diesem Album ist, wie homogen, wie natürlich, wie spielerisch sich die unterschiedlichsten Genres hier unter der Überschrift des Tanzes zusammenfassen lassen. Von einigen ruhigeren, kontemplativen Momenten auf der CD abgesehen, dominiert auf der CD das Rhythmische, das Perkussive. Dazu spielt das Quartett atemberaubende Läufe, bezaubernde Melodien und mitreißende Ohrwürmer. Das Aquarelle Guitar Quartet empfiehlt sich als frisches, mutiges Ensemble mit exzellenter Technik und Experimentierfreude. Eine ungewöhnliche Tracklist und ein ungewöhnlich gelungenes und abwechslungsreiches Album mit Gitarrenmusik.

Hörbeispiele zum neuen Album gibt es auf ihrer Myspace-Seite → http://www.myspace.com/aquarellegq

Die CD Dances des Aquarelle Guitar Quartet erscheint heute, am 23. Juli 2010 bei Chandos (10609) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Egberto Gismonti – Baiao Malandro
  2. Eduardo Martin – Hasta Alicia Baila
  3. Andy Scott – Seven Dances and ‘No Looking Back’ (Weltersteinspielung)
  4. Luigi Boccherini – Introduction & Fandango
  5. Trad. – Ajde Dali Znaes Pametis Milice
  6. Trad. – Pajduska
  7. Astor Piazzolla – La Muerte del Angel
  8. Catriona McKay – The Swan ‘LK 243′
  9. Trad. – Malaguena Salerosa
  10. Trad. – Tarantella
  11. Biréli Lagrène – Made in France


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