Neue CDsIn der Rubrik Vorschau werden zu Monatsbeginn ausgesuchte Titel aus den anstehenden Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb vorgestellt. Alle Titel kommen am  25. Juni 2010 in den Handel.

Im gestrigen 1. Teil der Vorschau stelle ich I. Orchesterwerke und II. historische Aufnahmen / Wiederveröffentlichungen vor; heute folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen III. Kammermusik und IV. geistliche und weltliche Chorwerke.

(Teil I. und II. → hier)

III. Kammermusik

Johannes Brahms
Sämtliche Lieder Vol. 1
Angelika Kirchschlager / Graham Johnson

Nach den Gesamtausgaben aller Lieder von Franz Schubert (1797 – 1828) und Robert Schumann (1810 – 1856) startet das britische Label Hyperion eine dritte Gesamtausgabe mit Liedern der deutschen Romantik, dieses Mal mit denen von Johannes Brahms (1833 – 1897). Den Anfang dieses auf viele Jahre angelegten Projektes machen die österreichische Mezzo-Sopranistin Angelika Kirchschlager und der britische Pianist Graham Johnson, der schon bei den beiden vorangegangenen Liedprojekten von Hyperion den Großteil der Begleitung mustergültig eingespielt hat. Die erste CD dieser Reihe beinhaltet 29 ausgewählte Lieder.

Benjamin Britten
Songs & Proverbs of William Blake
Gerald Finley / Julius Drake

Die meisten Lieder schrieb Benjamin Britten (1913 – 1976) für Tenor (fast alle geradezu auf den Leib geschrieben für seinen Lebensgefährten und musikalischen Mitarbeiter Peter Pears (1910 – 1986)), doch pflegte Britten auch enge freundschaftliche und künstlerische Kontakte zum Bariton Dietrich Fischer-Dieskau. Die “Songs an Proverbs of William Blake” waren ihm gewidmet und liegen nun in einer Neueinspielung von Gerald Finley und Julius Drake auf Hyperion vor.

Philip Glass
A Retrospective
The Philip Glass Ensemble

Diese Retrospektive mit Werken des US-amerikanischen Komponisten und Musikers Philip Glass (*1937) ist keine bloße Zusammenstellung aus bereits veröffentlichten Studioaufnahmen (im Sinne eines “Greatest Hits”-Albums), sondern der Mitschnitt eines Konzertes vom März 2004 in Monterrey, Mexiko. Auf “A Retrospective” spielen Glass und sein Ensemble charakteristische Auszüge aus verschiedensten Werken Glass’ live.
Dieses Album war bisher nur digital bei iTunes erhältlich. Die jetzt bei OMM erscheinende Doppel-CD enthält gegenüber dem Download sogar noch zusätzlich das Stück “The Grid” aus der legendären Filmmusik zu Koyaanisqatsi.

Philip Glass
How Now
Steffen Schleiermacher

Viele Werke des US-amerikanischen Komponisten und Musikers Philip Glass (*1937) sind für sein eigenes Ensemble geschrieben worden, das diese wiederum flexibel aufführen können sollte, je nach Verfügbarkeit der Musiker. Eine feste Bindung an bestimmte Instrumente gibt es meistens nicht. Der Leipziger Pianist Steffen Schleiermacher nutzt diesen Freiraum und präsentiert auf  dem Album “How Now” für MDG in eigenen, allerdings zeitlich angepassten Instrumentalisierungen, mal auf dem Klavier, mal auf elektrischen Orgeln, wobei er nur solche Klangregister auswählte, die zur Entstehungszeit der Stücke typisch waren.

Georg Friedrich Händel
Flötensonaten
Jan de Winne · Lorenzo Ghielmi · Marco Testori

Die Flötensonaten, op. 1 von Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) sind gewiss nicht so bekannt wie seine Feuerwerksmusik, seine Wassermusik-Suiten oder gar sein Messias, sie sind dennoch Stücke von zeitloser Schönheit. Auf der vorliegenden Aufnahme für EPR Classic spielt das belgisch-italienische Trio Jan de Winne (Traversflöte), Lorenzo Ghielmi (Cembalo) und Marco Testori (Cello) historisch informiert diese Kleinode der barocken Kammermusik.

Wolfgang Amadeus Mozart · Joseph Haydn · Ludwig van Beethoven
Variationen
Chara Lacovidou

Die griechische Pianistin Chara Iacovidou spielt auf ihrem neuen Album für Lyrinx sechs heutzutage eher vernachlässigte Variationszyklen der drei Kronen der Wiener Klassik.

Wolfgang Amadeus Mozart
Sämtliche Kirchensonaten
Deutsche Bachsolisten, Helmut Winschermann· Solist: Daniel Chozempa

Der US-amerikanische Organist Daniel Chozempa spielt auf der 1746 von Nikolaus Rumel erbauten, noch vollständig erhaltenen Orgel der Sitftskirche des Zisterzienserklosters Wilhering, (einer der Lieblingsorgeln von Anton Bruckner) sämtliche Kirchensonaten von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Doppel-SACD erscheint auf PentaTone.

Nikolai Myaskowsky
Streichquartette Nos. 1 & 13
Renoir Quartet

Nikolai Myaskovsky (1881-1950) gehört zu jenen sowjetischen Komponisten, die heute allzu sehr im übermächtigen Schatten von Dmitri Shostakovich und Sergei Prokofiev stehen. Das französische Quartor Renoir (oder eben auf Englisch Renoir Quartet) spielt auf seiner neuen CD für Arre-Se das erste und das letzte Streichquartett dieses vergessenen russischen Großmeisters des 20. Jahrhunderts.

Arvo Pärt
Portrait
Angèle Dubeau · La Pieta

Die kanadische Geigerin Angèle Dubeau spielt auf ihrer neuen CD für das Analekta-Label mit dem von ihr gegründeten Frauen-Ensemble »La Pietà« Werke des estnischen Komponisten Arvo Pärt (*1935), darunter so populäre Stücke wie “Spiegel im Spiegel” und “Summa”, aber weniger bekannte Stücke wie das “Wallfahrtslied”.

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IV. geistliche und weltliche Chorwerke

Gabriel Fauré
Requiem (1893 Version) · Messe Basse · weitere geistliche Werke
City of London Sinfonia · Cambridge Singers, John Rutter – Solisten: Caroline Ashton · Stephen Varcoe

Der englische Komponist und Chorleiter John Rutter entdeckte in den 1980er Jahren das Requiem von Gabriel Fauré in seiner Originalversion. Diese Aufnahme mit Caroline Ashton, Stephen Varcoe als Solisten, sowie den Cambridge Singers und der City of London Sinfonia errang 1984 den Gramophon-Award und wird nach langer Zeit endlich auf Collegium wiederveröffentlicht.

Bohuslav Martinů
Griechische Passion
RSO Prag, Libor Pešek

Der tschechische Komponist Bohuslav Martinů (1890 – 1959) hat eine riesiges Œuvre geschaffen, darunter 16 Opern. Seine letzte “Greek Passion” entstand nur ein Jahr vor seinem Tod und ist die Vertonung von Nikos Kazantzakis‘ Roman “Griechische Passion” von 1948. Martinů hat für dieses aufwühlende Flüchtlingsdrama Stilelemente Janáčeks mit griechischer Folklore, Tanzmusik sowie griechisch-orthodoxer Liturgie verbunden. Der tschechische Meisterdirigent Libor Pešek spielte dieses Werk 1983 mit einem tschechischen Spitzenensemble und dem Radiosinfonieorchester Prag ein. Die Aufnahmen wurde nun auf Supraphon wiederveröffentlicht.

Peter Philips
Cantiones Sacrae 1612
Choir of Trinity College Cambridge, Richard Marlow

Der englische Komponist Peter Philips (1561 – 1628) gehörte im protestantischen England als Katholik zu einer benachteiligten Minderheit. Er wurde 1593 sogar des Mordkomplotts gegen Königin Elisabeth I. angeklagt, aus Mangel an Beweisen allerdings freigesprochen, wohl auch weil er im Jahr zuvor in die religiös toleranteren Niederlande, später dann nach Rom flüchtete. Auf dem vorliegenden Album für Chandos hat der Choir of Trinity College Cambridge unter Richard Marlow seine erste Sammlung fünfstimmiger Kirchenlieder “Cantiones Sacrae” von 1612 aufgenommen.

Antonio Salieri · Ludwig van Beethoven · Franz Schubert
Requiem · Meeresstille und Glückliche Fahrt · Offertorium D.963 (Intendi voce)
Gulbenkian Chorus & Orchestra, Lawrence Foster

Zur Beerdigung von Antonio Salieri (1750 – 1825) erklang das von ihm selbst 20 Jahre zuvor komponierte Requiem in c-Moll. Die vorliegende Erstaufnahme (!) des vergessenen Werkes auf PentaTone ist gekoppelt mit Werken seiner Schüler Schubert und Beethoven, die auch bei der Beerdigung anwesend waren.

Adriaen Willaert
Missa Mente tota · Motetten
Cinquecento

Ersteinspielung des rein männlichen englischen Gesangssensembles Cinquecento der “Missa Mente tota” des flämischen Meisters Adriaen Willaert (1490 – 1562) und der von seinem Schüler und Bewunderer Cypriano de Rore (1515/16 – 1565) verfassten Lobeshymne “Concordes adhibete animos” für das renommierte Hyperion-Label.


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