Aleksandra Kurzak · Mariusz Kwiecień · Nelson Goerner: Frédéric Chopin – Pieśni (Songs)
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, Rezension
Manchmal ist weniger einfach mehr: Niemand wird behaupten, dass die Lieder im Œuvre von Frédéric Chopin (1810-1849) – bei allem Respekt – eine sonderlich große künstlerische Rolle spielen. Chopin ist (zurecht) vor allem für seine Klavierwerke bekannt und hat mit wenigen Ausnahmen auch kaum etwas anderes geschrieben als Werke für sein Instrument (immerhin war er ja nicht nur Komponist, sondern auch ein Star-Pianist seiner Zeit!). Wenn es nach Chopin selbst gegangen wäre, dann wären diese Lieder, die er als knapp 20-jähriger eher zum Spaß für einen privaten Kreis von Freunden geschrieben hatte, nach seinem Tode vernichtet worden. Sein Freund, Weggefährte und Kopist Julian Fontana (1810-1869) brachte die Werke 1847 dennoch heraus und erhielt so eine charmante Sammlung schlichter Lieder, die in ihrer Einfachheit und Ungekünsteltheit geradezu bezaubernd sein können.
Den Schlüssel zu einer gelungenen Interpretation haben Aleksandra Kurzak (Sopran), Mariusz Kwiecień (Bariton) und Nelson Goerner (Klavier) mit einem ganz simplen Rezept gefunden: mit ungekünstelter Natürlichkeit. Auf ihrer CD “Pieśni” (zu Dt. Lieder), in der Reihe authentischer Chopin-Einspielungen des polnischen Fryderyk Chopin Institute (auf Polnisch “Narodowy Institut Fryderyka Chopina”, NIFC abgekürzt) erschienen, sind es vor allem die schönen und natürlichen Stimmen und ihre unverkrampfte, unbeschwerte Art, die aus den mal volksliedhaften, mal melancholischen, mal patriotischen Liedern erfreuliche Kleinode machen. Sie werden kongenial vom perlenden Klang des 1848 erbautem Pleyel-Hammerklavier begleitet, spritzig und mit viel Liebe zum Detail von Nelson Goerner gespielt, einem der sensibelsten und allerbesten Chopin-Interpreten unserer Zeit.
Die Sänger Kurzak und Kwiecień vermeiden das, was in zahlreichen anderen Einspielungen dieser Lieder glücklos versucht wurde, nämlich sie im Klang und in der Wirkung dem deutschen Lied (etwa von Schubert oder Schumann) anzugleichen. Aber Chopins Lieder stammen nicht aus der romantischen Tradition des deutschsprachigen Raums, sondern haben andere Wurzeln und lehnen sich an kein bestehendes Modell. Diese Lieder offenbaren ihre Schönheit (und ihre geschickte Kunstfertigkeit) erst, wenn man sie in jenem jugendlichen (und heimatverbundenem) Geist vorträgt, in dem sie auch geschrieben wurden. Einspielungen von Übersetzungen (es gibt zahlreiche Aufnahmen auf Deutsch) und Interpretationen von nicht polnischen Sängern halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, man muss sich aber ein wenig in die polnische Seele hineinfühlen können, man muss schon nachempfinden können, was damals im jungen Chopin vorging, damit man diesen Liedern gerecht wird.
Dies ist eine echte Bereicherung der Chopin-Diskografie im Jubiläums-Jahr: Ohne ganz große Namen im Hochglanz-Format (wohl aber mit ganz großer Klasse) und mir erfrischender Natürlichkeit liegt nun endlich eine Aufnahme der Lieder Chopins vor, die den Kompositionen gerecht wird. Während Nelson Goerner längst ein renommierter Pianist ist, darf man sich in Zukunft auf Veröffentlichungen von Mariusz Kwiecień und vor allem der bezaubernden Aleksandra Kurzak freuen. Einmal mehr überzeugt eine NIFC-Einspielung auch durch exzellente Klangtechnik und ein schönes Design.
Das Album Frédéric Chopin – Pieśni (Lieder) von Aleksandra Kurzak, Mariusz Kwiecień und Nelson Goerner erscheint am 23. April 2010 als Veröffentlichung des NIFC (NIFCCD 016) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Inhalt:
- Życzenie, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 1]
- Gdzie lubi, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 5]
- Poseł, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 7]
- Czary, słowa S. Witwicki [op. posth.]
- Hulanka, sł. S. Witwicki [op. 74 nr 4]
- Precz z moich oczu, słowa A. Mickiewicz [op. 74 nr 6]
- Wojak, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 10]
- Piosnka litewska, słowa ludowe lit., tłum. L. Osiński [op. 74 nr 16]
- Smutna rzeka, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 3]
- Narzeczony, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 15]
- Leci liście z drzewa, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 17]
- Pierścień, słowa S. Witwicki [op. 74 nr 14]
- Moja Pieszczotka, słowa A. Mickiewicz [op. 74 nr 12]
- Wiosna, słowa S.Witwicki [op. 74 nr 2]
- Śliczny chłopiec, sł. B.Zaleski [op. 74 nr 8]
- Dumka a-moll, Nie ma, czego trzeba, sł. B.Zaleski [op. posth.]
- Nie ma, czego trzeba, sł. B.Zaleski [op. 74 nr 13]
- Dwojaki koniec, sł. B.Zaleski [op. 74 nr 11]
- Z gór, gdzie dźwigali, sł. Z. Krasiński [op. 74 nr 9]
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