Archiv für Juni 2010

Hyperion - Logo Kein anderes Label hat sich in den letzten Jahrzehnten um das romantische und spätromantische Liedgut so verdient gemacht, wie das britische Vorzeige-Label Hyperion. Die Londoner Plattenfirma hat das umfangreiche Lied-Werk von Franz Schubert (1797-1828), Robert Schumann (1810-1856), Gabriel Fauré (1845-1924) und Richard Strauss (1864-1949) komplett veröffentlicht und dabei sowohl enzyklopädisch, als auch künstlerisch eine bemerkenswerte Großtat vollbracht. Bestückt mit den besten Sängern unserer Tage und mit den allerbesten Begleitern, vor allem dem derzeit vielleicht besten Liedbegleiter Graham Johnson, entstanden Referenzaufnahmen für die Ewigkeit.

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jpc-courier Ausgabe 07-2010 Seite 72Hyperion, das wohl renommierteste britische Label, betreibt seit eigener Zeit das Sublabel Helios, das im Budget-Sektor bekannte Hyperion-Titel aus dem Back-Katalog wiederveröffentlicht. Mittlerweile finden sich bei Helios Hyperion-Veröffentlichungen (hauptsächlich der 1980er und 1990er Jahre) mit so bekannten (hauptsächlich britischen) Künstlern wie Emma Kirkby, James Bowman, The Sixteen unter Harry Christophers, Nikolai Demidenko, das Boston Symphony Orchestra unter Seiji Ozawa, der Westminster Cathedral Choir, Piers Lane, Steven Isserlis, das Halle Orchestra, The Hanover Band unter Roy Goodman, Stephen Coombs, Garrick Ohlsson, das Hilliard Ensemble, The Nash Ensemble, das Scottish Chamber Orchestra unter Charles Mackerras, das Rasumovsky Quartet oder das King’s Consort unter Robert King mit teilweise seltenen, oft mehrfach ausgezeichneten Aufnahmen von Werken aller wichtigen europäischen Komponisten und besonders vielen britischen wie Malcolm Arnold, Benjamin Britten, Edward Elgar, Gustav Holst, Herbert Howells, John Ireland, Thomas Linley, Henry Purcell, John Taverner, Christopher Tye, Ralph Vaughan Williams und Thomas Weelkes.
Anders als andere Budget-Segmente anderer Labels bietet Helios alles andere als einen herkömmlichen Klassik-Kanon mit hinlänglich bekannten Werken von den ‘großen’ Komponisten, dafür umso mehr Raritäten und Entdeckungen.

Quasi der gesamte Helios-Katalog ist ab sofort beim Buch- und CD-Versender JPC zum limitierten Sonderpreis von 7,99 Euro erhältlich (gültig bis 28.12.2010). Stöbern und Entdecken sind ausdrücklich empfohlen.

Hier geht’s zur kompletten Helios-Übersicht bei JPC → http://www.jpc.de/helios

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Gothenburg SO - M. Weinberg - Symphonies Nos. 1 and 7Das große US-amerikanische öffentliche Radio-Netzwerk National Public Radio (NPR) hat die auf Chandos erschienene Einspielung der Sinfonien Nos. 1 und 7 von Mieczysław Weinberg (1919-1996) des Gothenburg Symphony Orchestra unter Thord Svedlund (s. → Besprechung auf blog.codaex.de), in seine Halbjahres-Bestenliste aufgenommen.

Der Redakteur Tom Huizenga stellt heraus:

»Man muss schon so etwas wie ein Klassik-Nerd sein, um etwas über Weinberg zu wissen, aber es lohnt sich, ihn zu entdecken. Obwohl er von seinen Zeitgenossen – also den größten Namen der sowjetischen Musik Shostakovich, Prokofiev und Khachaturinan – überschattet wurde, schrieb Weinberg faszinierende und fesselnde Musik (…).«

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Antonio SalieriObwohl er zu den zu Lebzeiten bedeutendsten und erfolgreichsten Komponisten der Wiener Klassik gehörte, ist die Musik von Antonio Salieri (1750-1825) heute weitgehend vergessen (bis auf einige Opern und Ouvertüren ist kaum etwas aus seinem umfangreichen Œuvre auf Tonträger erhältlich). Seine Person ist durch das Theaterstück “Amadeus” von Peter Shaffer, mehr noch durch dessen Verfilmung durch Milos Foreman mit dem zweifelhaften Ruhm belegt, der neidische und rachsüchtige Konkurrent Mozarts gewesen zu sein, den er mit einer List in den Tod getrieben hat. Selbst der Hinweis, dass es sich um eine rein fiktive Geschichte handelt, hilft da nicht mehr: Sein Name bleibt auf unrühmliche Art mit Mozarts Requiem verbunden, dabei ist gibt es keinerlei Anhaltspunkte, dass Salieri überhaupt in irgendeiner Weise mit Mozarts Requiem involviert war (im Theaterstück/Film diktiert der sterbende Mozart Salieri die Noten vom Sterbebett aus). Wenn man heute im Internet nach “Salieri + Requiem” recherchiert, so findet man einige wenige Hinweise auf das von ihm 1804 verfasstes Requiem in c-Moll, dafür aber umso mehr Hinweise auf Mozarts Requiem.
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Mullova/Bezuidenhout - Beethoven - Violin SonatasAller guten Dinge sind drei: Nach positiven Besprechungen auf BR Klassik (s. → hier) und NDR Kultur (s. → hier) bespricht nun auch der überregionale Sender Deutschlandradio Kultur (als »CD des Woche«) das gerade auf Onyx Classics erschienene neue Album der russischen Violinistin Viktoria Mullova und des südafrikanischen Fortepianisten Kristian Bezuidenhout mit zwei Violinsonaten von Ludwig van Beethoven, nämlich der frühen Sonate No. 3, op. 12/3 und der Kreutzersonate (also die Sonate No. 9, op. 47). Das Album ist übrigens auch die aktuelle »CD des Monats« → hier auf diesen Seiten.

Deutschlandradio Kultur-Redakteur Gerald Felber stellt in seiner kurzen Besprechung die Herausforderung »Ludwig van Beethoven im Klang seiner Zeit zu erfassen« heraus, der sich die beiden Künstler gestellt haben. Der Wunsch diese Sonaten »so authentisch wie möglich« einzuspielen sei schon an der Wahl der Instrumente erkennbar.

Er resümiert:

»Aus dem Zusammenwirken [Viktoria] Mullovas mit Kristian Bezuidenhout entstehen reizvolle Klangperspektiven, die auch Bekanntes neu hören lassen.«

Den gesamten Artikel kann man → hier nachlesen.

Das Album Ludwig van Beethoven – Violin Sonatas Nos. 3 & 9, gespielt von Viktoria Mullova & Kristian Bezuidenhout ist am 25. Juni auf Onyx Classics (4050) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Guadagnini 1782 - Bildquelle: florianleonhard.comVor etwas mehr als einem Monat schrieb ich in meiner → Besprechung zur Gesamtausgabe der Violinsonaten von Ludwig van Beethoven (1770-1827) von Jeannette Koekkoek und Sarah Kapustin:

»Die zehn Sonaten für Klavier und Violine sind zwar zumindest teilweise beim Publikum sehr beliebt (…), genießen aber bei Violinisten keinen kanonischen Charakter. Vielleicht liegt es daran, dass Violinisten üblicherweise besonders Interesse an hochvirtuosen Stücken haben, die sie als Musiker an die Grenzen der Technik (und oft genug weit darüber hinaus) bringen, mit denen man glänzen kann, wenn man sie bewältigt, weil man seine virtuosen Fähigkeiten unter Beweis stellt?«

Es gibt freilich auch eine Ausnahme: Die sogenannte “Kreutzersonate“ (ergo die Sonate für Pianoforte und Violine No. 9, op. 47) wird immer wieder von den wichtigsten und besten Violinisten aufgenommen, zum einen sicherlich weil sie zum populärsten Repertoire für Violine und Klavier gehört, zum anderen sicherlich auch, weil die Kreutzersonate sehr wohl technische Schwierigkeiten en masse bietet und jede Menge Möglichkeiten seine Interpretationskunst unter Beweis zu stellen. Am Besten gelingt sie (so scheint mir) jenen Violinisten, die sich nicht mehr beweisen müssen oder wollen, ergo den ganz Großen der Zunft, den Charakterköpfen und echten Persönlichkeiten.
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Gabriel FauréDas Requiem von Gabriel Fauré (1845-1924) gehört gewiss zu den schönsten und populärsten Werken der gesamten Literatur der sakralen Musik. Die erste Fassung dieses einzigen größeren Kirchenmusik-Werkes von Fauré entstand 1887, vielleicht als Reaktion auf den Tod seines Vaters (1885) und seiner Mutter (1887).

1893 erweiterte Fauré die ursprüngliche Fassung um zwei Sätze – zum einen um das Offertorium (das er 1889 geschrieben hatte), zum anderen um das bereits 1877 als Libera me verfasste Responsorium – und fügte Hörner, Trompeten und Posaunen zur ursprünglichen Instrumentation mit Violas, Cellos, Kontrabass, Solovioline, Harfe, Pauken und Orgel hinzu. Während die Parts für die Trompeten und Posaunen nicht sonderlich umfangreich waren, setze er die Hörner vor allem an prominenter Stelle im Libera me und im Sanctus ein. So entstand eine schlanke, effektvolle Orchesterfassung für ein reduziertes Ensemble, die allerdings niemals aufgeführt wurde.
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Tobias Koch (am Klavier) - Bild © Philip Lethen 2009

Tobias Koch - Alle Bilder: © Philip Lethen 2009

s. auch → Interview mit Tobias Koch (Januar 2010)

Schon das erste Interview mit Tobias Koch (s. oben) auf diesen Seiten, im Januar anlässlich der CD “Robert und Clara Schumann: Klavierwerke aus Dresden” (erschienen auf Genuin; »CD des Monats Januar 2010«, s. auch die →  Besprechung auf blog.codaex.de) veröffentlicht, war eine höchst vergnüglich zu lesende, höchst aufschlussreiche Lektüre, die viel über den Künstler Tobias Koch und sein Verständnis von Robert Schumann (und darüber hinaus) offenbarte. Der Düsseldorfer Pianist ist halt nicht nur ein bemerkenswerter Musiker, sondern auch ein eloquenter, wortwitziger Gesprächspartner.

Anlässlich der vor einigen Wochen erschienenen Doppel-CD “Klaviermusik für die Jugend” (ebenfalls erschienen auf Genuin; »CD des Monats Mai 2010«, s. auch die →  Besprechung auf blog.codaex.de) hatte ich erneut das Vergnügen, Tobias Koch einige Fragen stellen zu dürfen. Ich habe versucht, meine Fragen vor allem auf das neue Album zu beziehen, aber wie schon das letzte Mal war die Verlockung zu groß, den Bogen im Gespräch mit Herrn Koch etwas weiter zu spannen. Wie schon beim ersten Mal ist das Interview ungekürzt.
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Mullova/Bezuidenhout - Beethoven - Violin SonatasDas neue Album der russischen Violinistin Viktoria Mullova und des südafrikanischen Fortepianisten Kristian Bezuidenhout, auf dem die beiden zwei Violinsonaten von Ludwig van Beethoven eingespielt haben (die frühe Sonate No. 3, op. 12/2 und die berühmte Kreutzersonate, die Sonate No. 9, op. 47) erhält derzeit viel Aufmerksamkeit von den deutschsprachigen Kulturradios.

Nachdem das Album vor einigen Tagen zur »CD der Woche« auf BR Klassik gekürt wurde (→ Blogbeitrag dazu), bespricht NDR Kultur-Redakteur Christoph Vratz das Album ebenfalls positiv, hat aber noch hie und da ein paar kritische Anmerkungen, vor allem bezüglich Mullovas Spiel.
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Gothenburg SO - M. Weinberg - Symphonies Nos. 1 and 7Zeitgleich mit meiner → Besprechung der soeben erschienenen Einspielungen der Sinfonien Nos. 1 und 7 von Mieczysław Weinberg (1919-1996) des Gothenburg Symphony Orchestra unter Thord Svedlund, ist auf den Seiten des bayrischen Kultursenders BR Klassik ebenfalls eine aufschlussreiche Besprechung des Albums mit einer Einführung über Weinbergs Leben und Rezeption in Westeuropa erschienen. Ähnlich wie ich in meinem Beitrag, plädiert der BR Klassik-Redakteur Oswald Beaujean für eine Wiederentdeckung des polnisch-russischen Komponisten. Er schreibt:

»Tatsächlich, darauf deutet alles hin, was greifbar ist, hat es dieser Komponist verdient, wieder entdeckt zu werden.«

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