Archiv für 20. Mai 2010

Ludwig van BeethovenIn der Musikkritik sollte man immer bemüht sein, althergebrachten Mythen über Komponisten oder Werke nicht aufzusitzen. Gerade im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Ansichten (fast schon Ideologien), die man mit bestimmten Komponisten (namentlich vor allem Bach, Beethoven und Mozart, kaum weniger allerdings gilt dies für die gesamte Romantik) verbindet, dass diese Bilder, die oft genug auf Vorurteilen, Missverständnissen, Zerrbildern und subjektiven Eindrücken basieren, unser Verständnis von der Musik entscheidend geprägt haben. Der Mythos überschattet alles, selbst den Komponisten, selbst das Werk. Wie viel Mondschein steckt denn wirklich in Beethovens sogenannter “Mondscheinsonate“?  Und wie viel Schicksal in der “Schicksalsinfonie“? Musikwissenschaftler und zunehmend die Interpreten selbst werden heute nicht müde, diese Fehleinschätzungen, die sich so tief im Bewusstsein der Hörer verankert haben, aufzulösen.

Dann gibt es wiederum Mythen, die man nicht so recht belegen, noch viel weniger aber von der Hand weisen kann. Ragen nicht die Spätwerke der großen Meister tatsächlich aus ihrem Œuvre heraus? Sind Bachs h-Moll-Messe, Mozarts Requiem, Beethoven späte Streichquartette und Klaviersonaten nicht tatsächlich die Sublimierung ihres Schaffens, gleichzeitig über alles bisher Geschaffene hinausreichend? Und wohin hätte ihre Entwicklung geführt, hätten Sie diesen Weg noch ein Stück weitergehen können?
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