Archiv für Mai 2010

In der neuen Rubrik “Internet-Tipp zum Monatsende” möchte ich in Zukunft besondere Fundstücke aus dem Internet von Codaex-Künstlern präsentieren. Das kann ein besonders sehens- und hörenswertes Youtube-Video sein, dass kann, wie diesen Monat, ein kostenloser Download oder Ähnliches sein. Einfach nur so – aus Freude an der Musik.

Arabella Steinbacher: Dvorak und Szymanowski - ViolinkonzerteDass die Münchenerin Arabella Steinbacher (*1981) eine der talentiertesten und versiertesten Violinistin  ihrer Generation ist, hat sie auf zahlreichen Konzerten und mehrfach ausgezeichneten CD-Veröffentlichungen unter Beweis gestellt, zuletzt mit der Aufnahme der Violinkonzerte von Antonín Dvořák und Karol Szymanowski, die für das audiphile Label PentaTone entstand.

Dass sie auch bei solch einem komplexen und schwierigen (und wundervollen) Werk wie der berühmten Chaconne aus der Partita für Violine solo Nr. 2 d-moll BWV 1004 von Johann Sebastian Bach brilliert, belegt der Live-Mitschnitt von den Bruchsaler Schlosskonzerten vom 10.10.2008, den man derzeit als “Musikstück der Woche” beim südwestdeutschen Kultursender SWR 2 kostenlos downloaden kann.

Den einführenden Artikel zur Chaconne Bachs “Eine Welt für sich in 256 Takten” findet man → hier
Den Mitschnitt gibt es als kostenlosen Download → hier (rechte Maustaste klicken und “Ziel speichern unter…” auswählen)

Das aktuelle Album von Arabella Steinbacher und dem RSO Berlin unter Marek Janowski mit den Violinkonzerten von Antonín Dvořák und Karol Szymanowski ist im Oktober 2009 auf PentaTone (5186 353) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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The Florestan Trio - Czech Piano TriosObwohl Bedřich Smetana (1824 – 1884), Bohuslav Martinů (1890 – 1959) und Petr Eben (1929 – 2007) drei unterschiedlichen Epochen, drei unterschiedlichen Komponistengenerationen und drei unterschiedlichen Stilrichtungen angehören, verbindet sie durch ihre tschechische Herkunft mehr, als man gemeinhin annehmen könnte. Bei böhmischen und mährischen Komponisten scheint sich ein schwer definierbares, jedoch unverkennbares Band der Gemeinsamkeiten durch die verschiedenen Generationen zu ziehen: Es ist eine Verbindung aus Kantabilität, volksmusikhaften Rhythmen und Melodien  und einer besonderen Wärme im Klang, die die tschechische Musik auszuzeichnen scheint, so zumindest das Klischee. Das britische Florestan Trio hat nun auf seinem neuesten Album drei tschechische Klaviertrios aufgenommen. Das Erstaunliche an den ausgewählten Werken ist: Sie belegen und widerlegen das Klischee der tschechischen Musik gleichzeitig.
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Jörg Widmann - Works for EnsembleDer gebürtige Münchener Jörg Widmann ist von Beginn seiner Karriere gleichzeitig als Komponist, Klarinettist und Dirigent tätig und gehört sowohl als Komponist, als auch als Klarinettist und Dirigent zu den derzeit erfolgreichsten Künstlern im Bereich Neue Musik. Seine neue CD für Neos “Works for Ensemble” vereint mehrere Werke, die er zwischen 1997 und 2004 für verschieden besetzte Ensembles, teilweise mit Gesang, komponiert hat. Zwei der drei Werke (“Sieben Abgesänge” und “Oktett”) liegen auf diesem Album als Weltersteinspielung vor. Interpretiert wird die Musik von Widmann selbst (als Dirigent und/oder als Klarinettist), der Sopranistin Olga Pasichnyk (bei den “Sieben Abgesängen”) und (bei allen Werken) dem Collegium Novum Zürich, dem wichtigsten Schweizer Ensemble für Neue Musik. Das Album wurde vom Schweizer Rundfunk DRS mitproduziert, der sich für die guten Aufnahmen verantwortlich zeigt.
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E. Leonskaja - L. van Beethoven - Late Piano SonatasDer NDR Kultur-Redakteur Marcus Stäbler hat in der Sendung “Neue CDs” vom 25. Mai die vor einigen Tagen an → hier vorgestellte SACD “Ludwig van Beethoven – Late Piano Sonatas · opp. 109 – 111″ (erschienen auf MDG) von Elisabeth Leonskaja besprochen. Das Skript zur Sendung ist nun online. Stäbler führt darin zu Beginn seiner Ausführung über die Musik der späten Klaviersonaten Beethovens folgendes aus:

»Die kompromisslose Klangsprache dieser Spätwerke ist überhaupt nicht zur virtuosen Show geeignet; sie erfordert eine große künstlerische Reife.«

Er stellt dann Leonskajas bedachte und wohlüberlegte Interpretation heraus, die jede kleinste Nuance der Partitur genau ausleuchtet:

»Leonskaja formt jede Phrase mit großer Sorgfalt, sie scheint mitunter jeden Ton wie ein kostbares Schmuckstück unter die Lupe zu nehmen. Selbst die ganz sparsam komponierten Passagen, in denen Beethoven die Sonaten in die Einstimmigkeit herunterdimmt, offenbaren so ihren inneren Reichtum.«

und resümiert über ihr Spiel:

»Leonskaja weiß um die vielen ganz unterschiedlichen Farben der Musik, und sie führt dem Hörer ihre prägnanten Charaktere vor Ohren: Von weltentrückter Melancholie über sehnsuchtsvolles Hoffen bis zu feurigem Überschwang ist so ziemlich jede Ausdrucksschattierung dabei.«

Den ganzen Artikel gibt es hier → Elisabeth Leonskaja: Ludwig van Beethoven – Late Piano Sonatas, erschienen in der Rubrik “Neue CDs” (bei NDR Kultur)

Die SACD Ludwig van Beethoven – Late Piano Sonatas · opp. 109 – 111 von Elisabeth Leonskaja ist am 21. Mai 2010 bei MDG (943 1622) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Richard WagnerAls ich vor rund zwei Jahren zum ersten Mal bei “The Ring, An Orchestral Adventure” (erschienen auf Chandos, 2008) ein Arrangement des Niederländers Henk de Vlieger (*1953) einer Oper (in jenem Fall mehrer Opern) von Richard Wagner (1813-1883) hörte, war ich zunächst skeptisch: Ist es wirklich möglich, die Musik von 16 Stunden Oper sinnvoll auf eine Stunde zu komprimieren? Gerade Richard Wagner hat ja nun alles andere als ‘wenig’ Musik für seine Opern komponiert! Aber andererseits wirkt diese Musik zweifelsohne auch ohne die Texte. Vielleicht gibt es auch deswegen so viele Versuche die Orchesterparts der Opern in der einen oder anderen Form aus der Oper in den Konzertsaal zu bringen, man denke nur an die Bearbeitungen von Leopold Stokowski, Lorin Maazel oder George Szell. Die Frage, ob eine Reduktion funktioniert (und vom Publikum angenommen wird) ist also bereits beantwortet: Es ist möglich diese Musik wirksam zu komprimieren und Henk de Vlieger (der übrigens im Hauptberuf Percussionist der niederländischen Radiophilharmonie ist) hat wirklich ein ziemliches Gespür dafür entwickelt, die signifikantesten Momente in den Opern auszuwählen und miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ist zweifelsfrei immer noch 100% Wagner, nur eben komprimiert, verdichtet, auf die Höhepunkte (auf die Hooklines würde man in den Popmusik sagen) fokussiert.
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Tobias KochSpätestens seit Januar dieses Jahres, als das Album “Klavierwerke aus Dresden 1845-1849″ (u. a. Album des Monats Januar auf blog.codaex.de, s. → Rezension dazu), gilt der Düsseldorfer Pianist Tobias Koch als einer der kompetentesten und versierten Interpreten für die Musik von Robert Schumann (und selbstverständlich darüber hinaus): Ihn zeichnet nicht nur seine brillante Technik und sein tiefes musikwissenschaftliches Verständnis für das Wesen und das Werk Schumanns aus, Koch wählt auch bei seinen Aufnahmen bewusst die Instrumente aus, auf denen er musiziert – ein Punkt, den er vielen anderen Pianisten voraus hat, die immer auf demselben Instrument, zumeist einem modernen Konzertflügel, spielen. Für Tobias Koch kommen prinzipiell nur Instrumente der entsprechenden Zeit der Komposition/des Komponisten (im Original, nicht im Nachbau!) in Frage: Die Begründung ist ebenso einfach, wie logisch: Die Werke wurden auf diesen Instrumenten, für diese Instrumente komponiert. Der Komponist hatte dieses Klangbild im Kopf. Wenn man also Musik möglichst authentisch wiedergeben will – und Koch ist so intelligent zu wissen, dass dies kein Selbstzweck ist, sondern immer dem Stück nützt, weil der gesamte erwünschte Klangeindruck auf die jeweils zeitgenössischen Instrumente zugeschnitten war – dann muss man jene Instrumente einsetzen, die der Komponist selbst kannte und schätzte. (Zu Kochs musikalischem Selbstverständnis lese man auch seine interessanten Ausführungen im → Interview auf diesen Seiten).
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J.-E. Bavouzet - Haydn Piano Sonatas Vol. 1Die erfrischend unverkrampfte und unakademische Herangehensweise des französischen Pianisten Jean-Efflam Bavouzet bei der ersten Veröffentlichung als langjähriges Projekt angelegten Gesamteinspielung aller Klaviersonaten von Joseph Haydn, steht im Mittelpunkt der Betrachtungen eines Beitrags der Redakteurin Julia Schölzel beim süddeutschen Kultursenders BR Klassik über das bereits im März erschienene Album “Piano Sonatas Vol. 1″ (→ Rezension auf blog.codaex.de). Das Album, erschienen beim britischen Label Chandos, ist dort gerade als »CD-Tipp der Woche« gekürt worden.
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Ludwig van Beethoven (ca. 1804)Nahezu alle längeren Werksreihen von Ludwig van Beethoven haben für die folgenden Generationen quasi kanonischen Charakter erlangt und gelten sowohl beim Publikum als auch bei den Musikern als Höhepunkte der jeweiligen Genres: Die neun Sinfonien, die 32 Klaviersonaten, die 16 Streichquartette und sogar die fünf Cello-Sonaten (auch wenn diese sicher nicht die Popularität der anderen Werke genießen, s. dazu auch meine Anmerkungen → hier), sind solche allgemein anerkannten Meilensteine der Musik, “Klassiker” im wahrsten Sinne des Wortes.

Die zehn Sonaten für Klavier und Violine sind zwar zumindest teilweise beim Publikum sehr beliebt (vor allem die Nos. 5 & 9, die “Frühlingssonate”, op. 24 und die “Kreutzersonate“, op. 47), genießen aber bei Violinisten keinen kanonischen Charakter. Vielleicht liegt es daran, dass Violinisten üblicherweise besonders Interesse an hochvirtuosen Stücken haben, die sie als Musiker an die Grenzen der Technik (und oft genug weit darüber hinaus) bringen, mit denen man glänzen kann, wenn man sie bewältigt, weil man seine virtuosen Fähigkeiten unter Beweis stellt? Außerdem hat Beethoven seine zehn Violinsonaten in relativ kurzer Zeit geschrieben (zwischen 1798 und 1803 verfasste er die ersten neun, die letzte 1812) , hauptsächlich am Anfang seiner Karriere. Fehlt den Violinisten vielleicht das Pendant des späten Beethoven, der in seinen letzten Jahren eine Reihe komplexer Meisterwerke schuf (die berühmte 9. Sinfonie mit dem Schlusschor “Ode an die Freude”; die späten Klaviersonaten Nos. 28–32; die vier letzten Streichquartette und die “Große Fuge” Nos. 12-16; die Cellosonaten Nos. 4 & 5) die als Sublimierung des jeweiligen Genres gelten? Es mag verschiedene Faktoren geben, warum die Sonaten für Klavier und Violine bestenfalls »einen untergeordneten Platz in der allgemeinen Bewertung seines Schaffens einnehmen«, wie es der ungarische Violinist und Musikwissenschaftler Carl Flesch in seinem Buch “Die Kunst des Violinspiels” bereits 1923 konstatierte.
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Ludwig van BeethovenIn der Musikkritik sollte man immer bemüht sein, althergebrachten Mythen über Komponisten oder Werke nicht aufzusitzen. Gerade im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Ansichten (fast schon Ideologien), die man mit bestimmten Komponisten (namentlich vor allem Bach, Beethoven und Mozart, kaum weniger allerdings gilt dies für die gesamte Romantik) verbindet, dass diese Bilder, die oft genug auf Vorurteilen, Missverständnissen, Zerrbildern und subjektiven Eindrücken basieren, unser Verständnis von der Musik entscheidend geprägt haben. Der Mythos überschattet alles, selbst den Komponisten, selbst das Werk. Wie viel Mondschein steckt denn wirklich in Beethovens sogenannter “Mondscheinsonate“?  Und wie viel Schicksal in der “Schicksalsinfonie“? Musikwissenschaftler und zunehmend die Interpreten selbst werden heute nicht müde, diese Fehleinschätzungen, die sich so tief im Bewusstsein der Hörer verankert haben, aufzulösen.

Dann gibt es wiederum Mythen, die man nicht so recht belegen, noch viel weniger aber von der Hand weisen kann. Ragen nicht die Spätwerke der großen Meister tatsächlich aus ihrem Œuvre heraus? Sind Bachs h-Moll-Messe, Mozarts Requiem, Beethoven späte Streichquartette und Klaviersonaten nicht tatsächlich die Sublimierung ihres Schaffens, gleichzeitig über alles bisher Geschaffene hinausreichend? Und wohin hätte ihre Entwicklung geführt, hätten Sie diesen Weg noch ein Stück weitergehen können?
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N. Lugansky: F. Choopin - Sonata No. 4 etc.Der Pianist Nikolai Lugansky gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten in der an exzentrischen Virtuosen nicht armen russischen Pianisten-Szene. Schon das ernste, in Schwarzweiß gehaltene Coverfoto seines Comeback-Albums, das nun ist bei Onyx Classics erscheint (das letzte Lugansky-Album erschien 2007), will andeuten: Hier kommt einer, der sich mit Frédéric Chopin ernsthaft auseinandergesetzt hat und nicht nur aus Anlass des diesjährigen Chopin-Jahres schnell mal ein Album auf den Markt wirft. Neben Sergei Rachmaninov war Chopin schon immer der bevorzugte Komponist Luganskys. Das vorliegende Album ist seine vierte ausschließlich Chopin gewidmete Veröffentlichung und Lugansky knüpft dort an, wo er mit den drei vorigen Chopin-Alben stehengeblieben war.

Das unvergleichlich weiche und flüssige Spiel Luganskys ist das herausragendste Merkmal dieses Albums. Selbst durch die schwierigsten und virtuosesten Passagen fliegt der russische Pianist mit bemerkenswerter Leichtigkeit und dennoch – und dies ist wirklich selten – schafft er es bei diesen par-force-Stücken (etwa beim “Fantaisie-Impromptu, op. 66″) viel Ausdruck hineinzulegen. Sein Chopin hat etwas vom Flug eines Schmetterlings, so betörend, so scheinbar mühelos ist das, was Lugansky aus den Tasten zaubert. Dabei ist der 40-jährige für russische Verhältnisse ein geradezu nüchterner, sachlicher Pianist, gewiss keine Eigenschaft, die man gemeinhin vielen russischen Pianisten zusprechen möchte (ohne diesen zu nahe treten zu wollen, denn mir ist klar, dass Wahrheit und Wahrnehmung, Klischee und Wirklichkeit hier oft genug weit auseinander liegen). Dennoch ist sein Chopin tief in der Romantik und wohl auch in der Tradition der Rezeption romantischer Musik verwurzelt: Melancholisch und emotional (ma non troppo, nicht zu sehr, bin ich versucht hinzuzufügen), virtuos-perlend und beim abschließenden Walzer leicht beschwingt: Nikolai Lugansky meldet sich mit einem starken Beitrag zum Chopin-Jahr wieder zurück.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Das Album Frédéric Chopin – Sonata No. 3 · Scherzo No. 4 · Fantaisie · Fantaisie-Impromptu von Nikolai Lugansky erscheint am 21. Mai 2010 bei Onyx Classics (4049) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt bzw. vorbestellt werden.

Inhalt:

  1. Piano Sonata No.3 in B minor, op.58
  2. Fantaisie-impromptu in C sharp minor, op.66
  3. Prélude in C sharp minor, op.45
  4. Scherzo no.4 in E, op.54
  5. Nocturne in F, op. 15/1
  6. Fantaisie in F minor, op. 49
  7. Waltz no.7 in C sharp minor op. 64/2

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