Nikolai Rimsky-KorsakovDer russische Ausnahmemusiker Mikhail Pletnev, gefeierter Pianist, geachteter Komponist und umjubelter Dirigent, fühlt sich bei PentaTone offenbar sehr wohl. Das von Pletnev gegründete Russian National Orchestra legt nun sein 21. Album (!)  für das audiophile Label aus den Niederlanden vor. Es beinhaltet drei Orchestersuiten des russischen Romantikers Nikolai Rimsky-Korsakov, die man nicht alle Tage zu hören bekommt: Es sind die Suiten aus den Opern “Schneeflöckchen”, “Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fevronija” und “Nuit sur le Mont Triglav” (dem 3. Akt der Ballett-Oper “Mlada”), Aufnahmen also, die endlich einmal nicht die bekannten Suiten Scheherazade und Capriccio Espagnol bieten.

Nikolai Rimsky-Korsakov- Orchestral SuitesDas Œuvre des einst mächtigen und einflussreichen Komponisten der Gruppe der Fünf (auch etwas despektierlich ‘das mächtige Häuflein’ genannt), ist heute nur noch lückenhaft bekannt, selbst in seiner Heimat Russland. Pletnev präsentiert hier die vom Komponisten selbst zusammengestellten Suiten aus Opern, die durchzogen sind von Mythen, Legenden, Volksglauben und Märchen – ein typischer Themenkreis für die russischen Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhundert im allgemeinen und für Rimsky-Korsakov im besonderen – farbenfroh, verspielt und märchenhaft, dann wieder aufrüttelnd kraftvoll in den schnelleren Passagen.

Eine echte Überraschung, ja eine echte Entdeckung ist allerdings die Suite “Nuit sur le Mont Triglav” (zu Deutsch ‘Die Nacht auf dem Mont Triglav’) aus dem 3. Akt der Ballett-Oper “Mlada”. Es mag der direkte Einfluss der Musik von Richard Wagner gewesen sein, die dieses Werk durchdrungen hat. Rimsky-Korsakov hatte 1889 den Ring des Nibelungen gesehen und war tief beeindruckt nach Russland zurückgekehrt. Anders als bei den beiden anderen Suiten ist der Grundton hier deutlich düsterer und bedrohlicher: Mussorgskys “Nacht auf dem kahlen Berge” (die übrigens von Rimsky-Korsakov orchestriert wurde) stand thematisch Pate. Pletnevs vielschichtige Deutung gipfelt im entfesselten, furiosem “Ronde infernale”, einem Stück, das Stravinskys “Danse infernale” im “Feuervogel” mehr als nur vorauszuahnen scheint, immerhin war Rimsky-Korsakov Stravinsky letzter und wichtigster Lehrer.

Fazit: Pletnevs inspirierte Interpretationen des ‘leichten’ und des ‘düsteren’ Rimsky-Korsakov (und gerade bei Rimsky-Korsakov scheint mir die Anzahl an lieblos heruntergespielter Aufnahmen besonders hoch zu sein) ergeben ein neues, differenziertes Bild des Komponisten, als jenes, das wir und durch die pittoresken Suiten “Scheherazade” und “Capriccio Espagnol” bilden könnten. Der Lehrer von Igor Stravinsky und Sergei Prokofiev wird so zum schlüssigen Bindeglied zwischen der russischen Nationalmusik des 19. Jahrhunderts und der Moderne, etwas was mir stets unverständlich blieb, wenn man nur seine ‘Hits’ beachtet.  Alleine schon wegen der “Nuit sur le Mont Triglav” und der überragenden Klangqualität der Aufnahmen (und der exzellenten Umsetzung durch Pletnev und sein RNO) ist dies eine phantastische Bereicherung der Diskografie Rimsky-Korsakovs.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die SACD Nikolai Rimsky-Korsakov – Orchestral Suites, gespielt vom Russian National Orchestra unter Mikhail Pletnev, st am 19. März 2010 auf PentaTone (5186 362) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Suite aus ‘”Schneeflöckchen”
  2. Suite aus “Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fevronija”
  3. “Nuit sur le Mont Triglav” (3. Akt der Ballett-Oper “Mlada”)

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