Philip Dukes / Sarah Connolly / Josephine Knight · City of London Sinfonia, Rumon Gamba: Geoffrey Burgon – Viola Concerto · Merciless Beauty · Cello Concerto
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, RezensionViele haben schon einmal Musik von Geoffrey Burgon (*1941) gehört, ohne den Namen jemals bewusst wahrgenommen zu haben: Er hat (neben vielen anderen Kompositionen für Film und Fernsehen) die Musik zum Monty-Python-Klassiker “Das Leben des Brian” (1979, im Original ‘Monty Python’s Life of Brian’) geschrieben, genauer gesagt schrieb er jene Sequenzen der Filmmusik, die nicht aus der Feder von Eric Idle stammten, der hauptsächlich durch das Lied “Always Look On The Bright Side Of Life” in der Schlusssequenz des Filmes in Erscheinung tritt. Die eigentliche Filmmusik, also die musikalische Begleitung der Dramaturgie stammt von Burgon.
Wer jetzt aber glaubt, Burgons Musik sei Satire, der irrt sich: Burgon ist mitnichten ein Komiker, der Musik schreibt; Geoffrey Burgon ist ein zeitgenössischer Komponist, den man eine stilistische Nähe zu Benjamin Britten nachsagt. Freilich: Etwas feinsinnigen Humor muss man schon haben, um für einen Monty-Python-Film Musik zu schreiben und in der Tat: Das eine oder andere Augenzwinkern findet sich auch auf der nun erschienenen CD des Kammerorchesters City of London Sinfonia unter Rumon Gamba, die drei der neueren Kompositionen Burgons zusammenfasst, zwei davon sogar als Weltersteinspielung.
Das Album beginnt mit mit Viola Concerto “Ghosts of the Dance” (zu Deutsch ‘Geister des Tanzes‘), das Burgon 2008 als Auftragswerk für den Bratschisten Philip Dukes geschrieben hat, der auch der Solist dieser Weltersteinspielung ist. Als Burgon die Arbeit an dem Projekt aufnahm, fiel ihm die Affinität zwischen dem »lieblichen, karamelhaften Klang« (so Burgon) der Viola in den mittleren und tiefen Lagen zu der amerikanischen Tanzmusik der 1930er und 1940er Jahre auf. Burgon unterstrich seine Assoziation mit der Erweiterung des Orchesters durch Altsaxophon, Schlagzeug und durch das Verwenden verschiedener Jazz-Dämpfer bei den Bläser und das Spielen der Bassmelodie als Pizzicato auf dem Kontrabass. Entsprechend jazzig klingt das Konzert, zumal Burgon lange Zeit als Jazz-Trompeter arbeitete. Die Illusion des Tanzwettbewerb in den USA zu Zeiten der großen Depression ist perfekt (denn das ist das Leitbild der Komposition), ebenso Burgons Feststellung der karamelhaften Viola: Dukes spielt mit süß (nicht süßlich!) schmelzendem Klang.
Wenn man unbedingt eine gewisse Nähe zur Musik Brittens bei Burgon belegen möchte, dann geht das – zumindest auf diesem Album – am besten bei der Liedersammlung “Merciless Beauty”. Burgon schrieb die Musik zu Texten von Kit Wright, William Blake und Geoffrey Chaucer zwischen 1996-97 ursprünglich für seinen langjährigen Freund, den Countertenor James Bowman, der sie 1999 (Für ASV) aufnahm. Trotzdem bat Burgon die Mezzosopranistin Sarah Connolly die Lieder zu singen »um zu sehen, was ihr sehr andersgeartetes Timbre und ihre musikalische Intelligenz daraus machen würden«, wie er erklärte. Das Ergebnis überzeugt auch mit weiblichem Timbre, zumal Connollys Stimme sanft und sinnlich zugleich, das Titelstück mit seiner düster-obsessiven Grundstimmung ist sicher der dramatische Höhepunkt des Albums. Auch Burgon zeigte sich »sehr zufrieden« mit dieser weiblichen Interpretation..
Für mich ist das abschließende Cello Concerto der Höhepunkt dieses Albums. Ursprünglich für den englisch-südafrikanischen Cellisten Alexander Kok intendiert, schrieb Burgon das Konzert erst im Jahr 2007, einige Jahre nach Koks Abschied von der Bühne. Stattdessen hat nun die Cellistin Josephine Knight den Solopart übernommen – sie hatte Burgon bereits bei der Ausarbeitung der Solostimme beraten – und man kann sich kaum eine bessere Solistin für das Werk vorstellen, so einfühlsam fügt sich ihr Spiel in das Konzert. Die Erinnerung an einen in der Jugend gesehenen Film noir war hier Burgons ursprüngliche Inspirationsquelle und so komponierte er das Cello Concerto wie einen imaginären Film noir, in dem die Solostimme des Cellos die Rolle des Protagonisten übernimmt: Düster, melancholisch, kraftvoll-aggressiv, dann fast zärtlich und verzweifelt: In rund 20 Minuten hat hier Burgon ein äußerst suggestives und in sich schlüssiges Werk geschaffen (auch ohne das Bild des Films übrigens). Es würde mich nicht wundern, wenn sich dieses Cellokonzert, auch dank dieses wundervollen Aufnahme, schon bald zu einem der meist aufgeführten Werke Burgons entwickelt.
Die City of London Sinfonia unter dem Filmmusik-erprobten Rumon Gamba (erst unlängst erschien ein Album der BBC Philharmonic unter der Leitung Gambas mit Werken der Filmmusik-Komponisten Bernard Herrmann, s. → Besprechung hier auf blog.codaex.de) spielt beschwingt beim Violakonzert, zurückhaltend bei den Liedern und geradezu cineastisch beim Cellokonzert, kurzum: tadellos.
Die CD Geoffrey Burgon – Viola Concerto · Merciless Beauty · Cello Concerto, gespielt von der City of London Sinfonia unter Rumon Gamba mit den Solisten Philip Dukes beim Violakonzert, Josephine Knight beim Cellokonzert und Sarah Connolly beim Liedzyklus “Merciless Beauty”, erscheint am 23. April 2010 auf Chandos (10592) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt bzw. vorbestellt werden.
Inhalt:
- Viola Concerto “Ghosts of the Dance”
- “Merciless Beauty” for counter-tenor (or mezzo-soprano) and small orchestra
- Cello Concerto
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