Susanne Heinrich: Tobias Hume – Passion & Division
Geschrieben von Sal Pichireddu in Der besondere Tipp, Neuerscheinungen, Rezension
Tobias Hume (ca. 1579-1645) muss eine schillernde Figur seiner Epoche gewesen sein. Seine Berufe und die wenigen Berichte, die es über ihn gibt, weisen darauf hin, doch tatsächlich belegt ist wenig: Gewitzter Schelm oder arroganter, sich selbst überschätzender Amateur, nonkonformistischer Erneuerer oder aufschneiderisches Großmaul, wir können heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, wie die Person Tobias Hume war und wie er auf seine Mitmenschen gewirkt hat. Immerhin gesichert ist, dass er als Komponist, Musiker und Söldner (!) in der schwedischen und russischen Armee tätig war und dass er zwei Sammlungen von Gamben- und Gesangsstücken veröffentlicht hat: “Captain Humes Poeticall Musicke” (1607) und zuvor “The First Part of Ayres – Captain Humes Musicall Humors” (1605). Aus diesem Erstlingswerk stammen die Gambenstücke, die Susanne Heinrich auf ihrer zweiten Solo-CD “Passion & Division” für Hyperion Records eingespielt hat. Über die in Großbritannien lebende deutsche Gambistin der Extraklasse schrieb das Classic CD Magazine anlässlich ihrer Debüt-Veröffentlichung vor einigen Jahren, sie spiele »smooth as melted chocolate«.
Die Gambe (aus dem Ital. Viola da gamba, wörtlich Beingeige, im Dt. auch Knie- oder Schoßgeige genannt) konkurrierte seinerzeit mit der Laute als das beliebteste und beste Instrument zur Gesangsbegleitung und war auch als Solo-Instrument äußerst beliebt. Wenn man sich das Album “Passion & Division” anhört, dann erhält man auch eine Vorstellung, wieso das Instrument seinerzeit so hoch in der Gunst der Zuhörer stand: Die Viola da gamba ist ein sehr vielseitiges Instrument: Sie kann melancholisch wie ein Violoncello klingen (wie im eröffnenden “Loves Pastime”), verspielt-tänzerisch (“A French Ayre”), geradezu lyrisch (“Rossamund”) oder feierlich (“The Duke Of Holstones Almayne”). Hume erweist sich als geschickter Erneuerer seines bevorzugten Instruments: Für “Harke, Harke” notiert er sogar als erster Komponist überhaupt die Spielweise col legno, in der die Saiten nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit dessen hölzernen Stange leicht geschlagen werden. Der Gambistin Susanne Heinrich ist die Musik Humes eine Herzensangelegenheit. Das merkt man ihren engagierten und lesenswerten Liner Notes an, dies merkt man aber auch (und vor allem) ihrem inspirierten Spiel an: Zurückhaltend, wenn Zurückhaltung geboten, dann wieder verspielt, kraftvoll, temperamentvoll, wenn es das Stück verlangt. Susanne Heinrich spielt die 18 hier zusammengefassten Stücke ausdrucksstark (und tatsächlich mit schokoladenzartem Klang) und makelloser Technik. Dank der exzellenten Aufnahmetechnik der Produktion, kann man auch die Klangschönheit ihrer Instrumente (zwei Bass-Gamben aus dem 16. Jahrhundert und eine Tenor-Gambe neueren Datums) uneingeschränkt genießen.
Das Album Passion & Division mit Werken von Tobias Hume, eingespielt von der Gambistin Susanne Heinrich, ergänzt die eher spärliche Diskografie Humes um einen hörenswerten Beitrag und erhält deswegen das Prädikat ‘die besondere CD‘ im Monat März 2010.
Die CD Passion & Division mit Werken von Tobias Hume, eingespielt von Susanne Heinrich, wird am 19. März 2010 auf Hyperion (CDA 67 811) erscheinen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Tipp: Auf der Produktseite auf hyperion-records.co.uk kann man in alle Stücke des Albums hineinhören und die Liner Notes (auch auf Deutsch) lesen.
Inhalt:
- Loves Pastime
- A Jigge
- Harke, harke
- Now I come
- Rossamond
- Touch me lightly
- The Duke of Holstones Almayne
- A Souldiers Resolution
- I am melancholy
- Tickell, tickell
- A French Ayre
- Deth
- Life
- The Spirit of Gambo
- Tinckeldum, twinckeldum
- Captain Humes Pavan
- A Souldiers Galliard
- Loves Farewell
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