Frederic ChopinFrédéric François Chopin (eigentlich Fryderyk Franciszek Chopin) wurde am 1. März 2010 in Żelazowa Wola im Herzogtum Warschau geboren und starb jung, bereits am 17. Oktober 1849 in Paris. In den 39 Jahren seines Lebens wurde er einer der einflussreichsten und beliebtesten Komponisten für Klaviermusik im 19. Jahrhundert, dessen Ruhm und dessen Wirkung auch heute noch, 200 Jahre nach seinem Geburtstag, ungemindert nachwirken. 2010 wird in der Welt der klassischen Musik als Chopin-Jahr (und ebenso als Schumann-Jahr und Mahler-Jahr) gefeiert. Zahllose Neu- und Wiederveröffentlichungen mit Musik von Chopin überschwemmen in diesen Wochen den Klassik-Markt, deutlich mehr als bei den anderen beiden Jubilaren und oft genug von deutlich minderer Qualität. Andererseits: Chopin gehört zu jenen Komponisten, die auch von denen gehört werden, die normalerweise keine klassische Musik hören. Er ist der Inbegriff (manche würden sagen, das Klischee) der Romantik und der romantischen Klaviermusik. Vielleicht ist es deswegen auch nicht wirklich verwunderlich, wenn die Musikergenerationen nach ihm auf sein Werk immer wieder Bezug genommen haben. Dabei war das Werk, mehr noch das Wirken Frédéric Chopins niemals unumstritten. Um es mit den Worten des Komponisten und Klavier-Virtuosen Ferruccio Busoni zu sagen: »Mich hat Chopin ein Leben lang angezogen und zugleich abgestoßen; ich habe einfach seine Musik zu oft gehört – prostituiert, profaniert und banalisiert

Jonathan Plowright - Hommage a ChopinGerade rechtzeitig zum heutigen 200. Geburtstag des polnischen Komponisten hat das britische Label Hyperion eine wirklich originelle CD auf den Markt gebracht. Statt der x-ten Einspielung von Polonaisen, Mazurken, Nocturnes, Sonaten oder Klavierkonzerten, hat der hierzulande leider nur als Geheimtipp gehandelt englische Pianist (und ausgewiesener Spezialist für romantische Klaviermusik) Jonathan Plowright ein Album aufgenommen, das sich “Hommage à Chopin” nennt. Auf diesem befinden sich dreizehn mehr oder minder kurze Chopin-Hommagen verschiedener und unterschiedlicher Komponisten wie unter anderem Mili Balakirev (1837-1910), Edvard Grieg (1843-1907), der oben zitierte Ferruccio Busoni (1866-1924), Pyotr Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), Heitor Villa-Lobos (1887-1959), Lennox Berkeley (1903-1989) und Federico Mompou (1893-1987).

Das Faszinierende an diesem Album ist, dass es trotz des ‘statischen Themas’ unglaublich abwechslungsreich geworden ist. Einige Komponisten waren äußerst geschickt darin, Chopins Stil, ja Chopins Soundklischee zu imitieren (gerade den russischen Komponisten Balakirev und Tchaikovsky gelingt das), andere reflektieren eher über Chopin und zitieren ihn, ohne ihren eigenen Stil komplett zu unterdrücken (Busoni, Villa-Lobos), wieder andere (Mompou) schrieben kunstvolle Variationen über Chopinsche Themen. Die Bandbreite der hier zu hörenden Musik ist so weit, wie die Zeitspanne (rund 100 Jahre), in der diese Kompositionen entstanden sind. Plowright empfiehlt sich hier als einfühlsamer Pianist (wie wunderbar zart doch Mompous Prelude Variation XI “Lento Dolce & Legato” erklingt), dem es gelingt, nicht nur das Chopin-hafte in den kurzen Werken herauszuarbeiten, sondern auch den eigentlichen Komponisten, der hinter der Hommage steckt. So klingt beispielsweise sein Tchaikovsky in “Un poco di Chopin” hinreißend weich und beschwingt, sein Villa-Lobos bleibt aber, trotz der “Hommage à Chopin” fest in der Musik des 20. Jahrhunderts, ja speziell in Brasilien verwurzelt: So klingt etwa der zweite Teil seiner “Hommage à Chopin”, die “Ballade”, gleichermaßen nach einem Prelude Chopins, wie nach swingender brasilianischer Musik. Generell ist es auf diesem Album fast so, als ob die Komponisten (die fast ausnahmslos selbst exzellente Pianisten waren) selbst ihre Hommage spielen würden. Nebenbei ‘entdeckt’ Plowright einige unbekanntere Komponisten (etwa den aus Böhmen stammenden, in Russland tätigen Eduard Nápravník (1839-1916)) und empfiehlt sie dem Hörer zur genaueren Betrachtung. Plowright schafft es auf “Hommage à Chopin”, mit einer klug zusammengestellten Sammlung kurzer, eher unbedeutend scheinender Nebenwerke, 80 Minuten höchst interessant und faszinierend zu gestalten.

Die Besondere CD - CodaexFür die »beste Chopin-CD, die es bisher noch nicht gab« und gleichzeitig eine äußerst aufschlussreiche Reise durch die Chopin-Rezeption erhält das Album Hommage à Chopin von Jonathan Plowright das Prädikat ‘die besondere CD‘ im Februar 2010.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Hommage à Chopin von Jonathan Plowright ist am 19. Februar auf Hyperion (67803) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Tipp: Auf der Produktseite auf hyperion-records.co.uk kann man in alle Stücke des Albums hineinhören und die Liner Notes (auch auf Deutsch) zu den betreffenden Werken nachlesen.

Inhalt:

  1. Mili Balakirev – Impromptu on the themes of two Preludes by Chopin
  2. Franz Bendel – Hommage à Chopin, op 111/1
  3. Edvard Grieg – Studie (Hommage à Chopin), op. 73/5
  4. Ferruccio Busoni – Ten Variations on a Prelude of Chopin in C minor, BV213a
  5. Eduard Nápravnik – Notturno (La réminiscence de Chopin), op. 48/1
  6. Pyotr Tchaikovsky – Un poco di Chopin, op. 72/15
  7. Arthur Honegger – Souvenir de Chopin
  8. Lennox Berkerley . Three Mazurkas, op. 32/1
  9. Heitor Villa-Lobos – Hommage à Chopin
  10. Federico Mompou – Variations sur un thème de Chopin
  11. Benjamin Godard – Hommage à Chopin, op. 66/2
  12. Leopold Godowsky – Profil (Chopin) from Walzermasken
  13. Theodor Leschetitzky – Hommage à Chopin, op. 46/9


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