Daniel Müller-Schott & Angela Hewitt: Ludwig van Beethoven – Cello Sonatas op. 102, Variations
Geschrieben von Sal Pichireddu in Der besondere Tipp, Neuerscheinungen, Rezension
»Dass Ludwig van Beethoven (1770-1827) für die Klaviersonate, das Streichquartett, die Violine und die Sinfonie Bahnbrechendes geleistet hat, ist vielen bekannt. Doch hat er sich auch um die Literatur für das Violoncello verdient gemacht und darf heute als der Schöpfer der modernen Cellosonate gelten. Zwischen 1796 und 1815 schuf er fünf große Sonaten, mehr als jeder andere Komponist von Rang. Jede einzelne ist für sich ein Meisterwerk – und für jeden Musiker ist es stets eine Offenbarung, die Entwicklung dieser Werke zu erleben.« So schwärmerisch und leidenschaftlich beginnt der deutsche Cellist Daniel Müller-Schott, einer der renommiertesten und bekanntesten Vertreter seiner Zunft, seine Liner Notes (fast will ich schreiben: sein Plädoyer) zu seiner jüngsten Veröffentlichung mit den beiden späten Cello-Sonaten Beethovens (und den Händel- und Mozart-Variationen desselben), die er zusammen mit der kanadischen Pianistin Angela Hewitt für das britische Label Hyperion eingespielt hat.
Der erste Teil dieser Zusammenarbeit mit den Cello-Sonaten Nr. 1 – 3, op. 5/1-2 und op. 69 hatte vor allem in der angelsächsischen Fachpresse für sehr positive Kritiken gesorgt. Zurecht sprach man von der »überwältigende Intensität« der Interpretationen, von einer »flinken und farbenfrohen Umsetzung« der beiden und ihren »exquisiten Phrasierungen und sauberem Spiel«, kurzum einer gelungenen »major collaboration«, einer großartigen Zusammenarbeit zweier Ausnahmemusiker. So inspiriert, so facettenreich, so leidenschaftlich hatte man die Cello-Sonaten schon lange nicht gehört, schon gar nicht auf solch einem hohen technischen Niveau in makelloser Aufnahmequalität.
Und um es vorweg zu nehmen: Der zweite (und letzte) Teil dieser Zusammenarbeit steht dem ersten Teil wahrlich in nichts nach: Leidenschaft, Können und eine schlüssige Deutung bis ins letzte Detail zeichnen auch diese Aufnahmen aus. Dabei ist solch ein Ergebnis nicht selbstverständlich: Nicht immer bedeutet die Zusammenarbeit zweier herausragender Solisten auch wirklich eine herausragende Zusammenarbeit: Hier allerdings hat sich ein ideal harmonisierendes Duo gefunden, das die immer etwas vernachlässigten Cello-Sonaten Beethovens endlich schlüssig umsetzt. Es muss an diesem Enthusiasmus liegen, den Müller-Schott (und wohl nicht im geringeren Maße Angela Hewitt) dieser Musik entgegen bringen, die Bewunderung, die aus Müller-Schotts einführenden Worten spricht, steckt in der Sorgfalt und der Liebe zum Detail bei der Interpretation. Das gilt für die oft unterschätzten, kunstvollen und verspielten Variationen, dies gilt aber in besonderem Maße für die beiden Sonaten Opus 102. Wenn es stimmt, dass man im Spätwerk Beethovens eine Art »Entmaterialisierung seiner Tonsprache« erfahren kann, dann sind es diese Cello-Sonaten, beide im Sommer 1815 geschrieben, in denen dieser Wesenszugs der späten Beethoven-Kompositionen zum ersten Mal in all seiner Wucht den Hörer gefangen nimmt.
Der wichtigste Beethoven-Interpret des 19. Jahrhunderts, Hans von Bülow (1830–1894) monierte einmal, er könne diese Sonaten nicht oft spielen, da man nicht nur einen guten Cellisten, sondern vor allem »einen feingebildeten Menschen« bräuchte. Daniel Müller-Schott ist demnach die Idealbesetzung für diese Musik, zeigt er doch bei diesen Aufnahmen, dass er nicht nur ein überragender Cellist mit einem wundervoll ausdrucksstarkem Klang ist, sondern auch eben solch ein feingebildeter Mensch, der die nuancenreichen, oft widersprüchlich aufwallenden Emotionen in diesen Werken zu deuten weiß. Angela Hewitt wiederum hat schon bei ihren Aufnahmen der wichtigsten Klaviersonaten Beethovens (Vol. 1, 2006; Vol. 2, 2007 – ebenfalls auf Hyperion) belegt, dass ihr intelligentes und einfühlsames Spiel zu sehr überzeugenden Deutungen der Beethovenschen Klangwelt führt. Beethovens Cello-Sonaten sind, auf diesem Niveau musiziert, alles andere als zu ignorierende Werke, sondern tatsächlich echte Meisterwerke des Meisters aus Bonn.
Das Album Ludwig van Beethoven – Cello Sonatas Vol. 2, gespielt vom Angela Hewitt und Daniel Müller-Schott , ist der rundum gelungene zweite Teil einer wegweisenden Zusammenarbeit mit der Musik für Cello und Klavier von Beethoven und erhält deswegen das Prädikat “die besondere CD‘ im Monat März.
Das Album Ludwig van Beethoven – Cello Sonatas Vol. 2, gespielt vom Duo Angela Hewitt und Daniel Müller-Schott erscheint heute, am 19. März bei Hyperion (67755) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Inhalt:
- Variations in G major on ‘See the conqu’ring hero comes’ from Handel’s Judas Maccabaeus, WoO45
- Cello Sonata in C major. op. 102/1
- Variations in F major on ‘Ein Mädchen oder Weibchen’ from Mozart’s Die Zauberflöte, Op 66
- Variations in E flat major on ‘Bei Männern, welche Liebe fühlen’ from Mozart’s Die Zauberflöte, WoO46
- Cello Sonata in C major. op. 102/2
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