The real Chopin - LogoWem die gestrige Konzertgala aus Warschau (übertragen von einigen ARD-Kulturradios, wie WDR 3, SWR 2 u. a.) anlässlich des 200. Geburtstags von Frédéric Chopin gefallen hat, insbesondere die historisch-informierte Umsetzung des Klavierkonzert No. 2 in f-moll, op. 21 des Orchestra of the 18th Century unter der Leitung von Frans Brüggen mit Dang Thai Son (am Érard Fortepiano) als Solisten, der sei (noch einmal) auf die → Sonderpreis-Aktion für NIFC-Veröffentlichungen bei CD- und Buchversender JPC hingewiesen. Für jeweils 9,99 Euro gibt es derzeit alle vom Fryderyk Chopin Institute (auf Polnisch: “Narodowy Institut Fryderyka Chopina”, kurz NIFC) bisher veröffentlichten Alben (die Reihe wird fortlaufend erweitert) mit Chopin-Aufnahmen auf Original-Instrumenten (“The real Chopin“), darunter auch ein Album mit den beiden Klavierkonzerten Chopins, interpretiert eben vom selben Orchestra of the 18th Century unter der Leitung von Frans Brüggen mit Dang Thai Son.

Frédéric Chopin - Klavierkonzerte Nos. 1 & 2Anders als bei konventionellen Einspielungen mit modernen Instrumenten und einem heutigen Konzertflügel, zeichnen sich die bereits 2005 und 2006 entstandenen (und 2006 veröffentlichten) Aufnahmen durch eine höchstmögliche Transparenz und eine bei Chopin so noch nie gehörte Leichtigkeit aus. Das Orchester klingt im Vergleich zu modernen Aufnahmen zurückhaltender, leiser; der perlende Klang des Érard (1849 erbaut, Chopin selbst spielte einen Érard gleicher Bauweise) klingt verspielter, freundlicher, auf Anhieb passender für die Klangkaskaden in den Solo-Parts der Klavierkonzerte. Der vietnamesische Pianist Dang Thai Son (Gewinner des Chopin-Wettbewerbs 1980) ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann für Chopin, sondern weiß auch mit den klanglichen Besonderheiten des Instruments umzugehen. Sein Spiel ist leicht, flüssig und harmoniert gut mit dem renommierten niederländischen Original-Instrumente-Ensemble.

Ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass man bei dieser CD, aber auch bei den anderen Aufnahmen der Reihe, Chopin nicht neu erfunden hat, hier wurde nicht alles über den Haufen geworfen, was in 200 Jahren Chopin-Rezeption gewachsen ist. Wohl hat man aber darauf geachtet, auf allzu  egozentrische Solisten-Exzesse der Vergangenheit zu verzichten, die immer wieder mit Chopin selbst gleichgesetzt wurden. Die NIFC-Veröffentlichungen führen den Hörer zurück an die Ursprünge dieser Musik, befreien sie vom Klischee der Romantik, vom Missverständnis und zum Vorurteil: Das Ergebnis klingt also gewissermaßen vertraut und unerhört zugleich. Dieses sorgfältig geplante und mit Bedacht umgesetzte Projekt, verfehlt meiner Meinung nach seine Wirkung auf die Rezeption der romantischen Musikliteratur nicht. Wie vor rund 30 Jahren, als die Original-Instrumente-Bewegung unser Verständnis von barocker Musik völlig umkrempelte, so dass uns heute Aufnahmen barocker Meister auf modernen Instrumenten fremd und falsch erscheinen, so sind Aufnahmen wie die des NIFC-Zyklus exemplarisch dafür, dass wir bei Chopin und auch bei den anderen romantischen Komponisten uns intensiver mit dem originalen Klangbild auseinandersetzen müssen, wenn wir diese Musik wirklich verstehen wollen. Nur so entfalten die Kompositionen sie ihre echte Faszination.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

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