Academy of St. Martin in the Fields, Neville Marriner: Gordon Getty – Orchestral Music
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, RezensionWer wie Gordon Getty, Sohn des legendären Öl-Tycoons Jean Paul Getty, zu den reichsten Menschen der USA gehört, der mag (so die Vorstellung jener, die wie ich nicht dazu gehören) ein leichtes Leben haben, in dem nur jeder erdenkliche Wunsch erfüllbar scheint. Als Komponist jedoch kann der Name (und das Geld) eine Bürde sein: Der Verdacht, man würde sich Aufmerksamkeit aus reinem Geltungsbedürfnis erkaufen, steht sofort (wenn auch meistens unausgesprochen) im Raum. Beispiele für solch einen Generalverdacht mag es reichlich geben, wenn man bedenkt, wie viele Millionäre (und Millionärsgattinnen!) sich singend, tanzend und schauspielend blamiert haben: Man erinnere sich nur an die legendäre Florence Foster-Jenkins, der schlechtesten Sängerin aller Zeiten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Gordon Getty ist keiner dieser sich selbst überschätzenden Millionäre, er hat sein Handwerk von Grund auf gelernt, seine Aufnahmen und Aufführungen sind nicht teuer erkauft, sondern wohl verdienter Lohn eines Komponisten.
Nach vier Alben mit Vokalmusik, erscheint nun beim audiophilen Label PentaTone ein Album mit einigen Orchesterwerken von Gordon Getty, eingespielt von der berühmten Academy of St. Martin in the Fields unter ihrem Gründer und langjährigem Leiter Neville Marriner. Getty bezeichnet sich selbst als altmodischen Komponisten: »Ich bin zu zwei Dritteln ein Komponist des 19. Jahrhunderts« und in der Tat: Hört man die hier zusammengefassten Orchesterwerke, so glaubt man, es hätte keinen Ives, keinen Schönberg und keinen Varèse, erst recht keinen Stockhausen oder Glass gegeben. Sein musikalisches Vokabular ist eine gut anzuhörende Mischung aus spätromantischen und neoklassizistischen Elementen und erinnert mit den auffällig tänzerischen Rhythmen an die frühen Ballettmusiken Igor Stravinskys, freilich ohne den revolutionären Ansatz, der einst das musikalische 20. Jahrhundert einläutete. Man muss schon einen Faible für solche Musik haben, um mit Gettys Musik aus einer anderen Zeit warm zu werden: Getty ist kein Erneuerer, er ist ein Bewahrer, ein Nostalgiker sogar.
Die Academy of St. Martin in the Fields spielt wie immer makellos. Neville Marriner gelingt es, die rhythmisch-tänzerischen Sequenzen in Gettys Kompositionen schwungvoll auszuarbeiten: Gerade das Hauptwerk des Albums, die Ballettmusik “Ancestors Suite” mit ihren zahlreichen Tänzen, 2009 in Russland uraufgeführt, könnte man sich nicht besser, nicht nostalgischer, nicht altmodischer vorstellen, denn genauso ist Gettys Musik intendiert. Die Aufnahmetechnik des Albums ist, wie immer bei PentaTone-Neuveröffentlichungen, absolut makellos; das Booklet ist schlicht und informativ gehalten und wenn man einmal die holprige deutsche Übersetzung ignoriert, so erfährt man in den Liner Notes vieles über Gettys Musik und seinen musikalischen Hintergrund.
Die SACD Orchestral Works mit Werken von Gordon Getty, eingespielt von der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Neville Marriner erscheint am 19. März 2010 auf PentaTone (5186 356) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Inhalt:
- Overture ‘Plump Jack’
- Ancestor Suite
- Tiefer und Tiefer
- Homework Suite
- The Fiddler of Ballykeel
- Raise the Colors
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