In der Rubrik Vorschau präsentiere ich zu Monatsbeginn einen ausgesuchten Überblick über die interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb, die im Laufe des jeweiligen Monats (üblicherweise im letzten Drittel des Monats) in den Handel kommen. Viele dieser Titel werde ich genauer im Laufe des Monats besprechen.
Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb kommen am 19. Februar 2010 in den Handel. Im heutigen 1. Teil der Vorschau stelle ich ‘Orchesterwerke’ und die ‘Kammermusik’ vor; morgen folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen ‘geistliche und weltliche Vokalmusik’, sowie die ‘historischen Aufnahmen und Wiederveröffentlichungen’.

I. Orchesterwerke

Antonín Dvořák
Tondichtungen
Tschechische Philharmonie, Charles Mackerras

Auf dem tschechischen Traditionslabel Supraphon erscheinen die vier Tondichtungen opp. 107-110 “Der Wassermann”, “Die Mittagshexe”, “Das goldene Spinnrad und “Die Waldtaube” von Antonín Dvořák, eingespielt vom renommiertesten tschechischen Klangkörper, der Tschechischen Philharmonie unter ihrem langjährigen Gastdirigenten Charles Mackerras. Die vier Tondichtungen, entstanden zwischen 1896-97 nach Balladen des tschechischen Romantikers Karel Jaromir Erben.

Louis Spohr
Sinfonien Nr. 3 & 6 / Ouvertüre zu “Der Fall Babylons”
Orchestra della Svizzera Italiana, Howard Shelley

Louis Spohr war zu Lebzeiten eine der bekanntesten und populärsten Figuren der frühen deutschen Romantik. Heute wird fast ausschließlich sein Kammermusikwerk und seine Violinkonzerte aufgenommen und aufgeführt, seine zahlreichen Opern und Oratorien und seine zehn Symphonien bleiben hingegen weitgehend unbeachtet. Auf der bei Hyperion erscheinenden CD, präsentiert das Orchestra della Svizzera Italiana unter Howard Shelley eine seiner seinerzeit erfolgreichsten Symphonien (No. 3) und eine der umstrittensten (No. 6), zusammen mit der Ouvertüre zu seinem Oratorium “Der Fall Babylons”.

Bernard Herrmann
The Film Music of Bernard Hermann: Hangover Square / Citizen Kane
BBC Philharmonic, Rumon Gamba
Solisten: Orla Boylan (Sopran),  Martin Roscoe (Klavier)

Das britische Label Chandos stellt auf dieser CD zwei der erfolgreichsten frühen Filmmusiken von Bernard Herrmann vor: “Hangover Square” (1945) (ein hierzulande nicht allzu bekannter Film Noir) und “Citizen Kane” (1941), dem vermutlich besten Film aller Zeiten. Noch bevor Herrmann seine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock startete (u.a. schrieb er die bahnbrechenden Filmmusiken zu “Vertigo” und “Psycho”), lieferte er in den 1940er Jahren qualitativ hochwertigste Filmmusiken ab, wie kaum ein zweiter Komponist der Ära. Es spielt das BBC Philharmonic Orchestra unter Rumon Gamba mit den Solisten Martin Roscoe am Klavier und der Sopranistin Orla Boylan in Salammbô’s Aria aus der Musik zu “Citizen Kane”.

♦♦♦

II. Kammermusik

Various
Hommage à Chopin
Jonathan Plowright

Auf dem englischen Label Hyperion erscheint ein origineller und hochinteressanter Beitrag zum diesjährigen Chopin-Jahr. Anlässlich des 200. Geburtstags des polnischen Komponisten, hat der britische Pianist Jonathan Plowright Variationen und Hommagen anderer Komponisten des späten 19., frühen 20. Jahrhunderts gesammelt und für dieses Album eingespielt. Zu hören sind Miniaturen von Mili Balakirev, Ferrucio Busoni, Edvard Grieg, Federico Mompou, Peter Tschaikowsky, Heitor Villa-Lobos u.a.

Franz Schubert
Streichquintett D 956 / Ouvertüre c-moll
Acies Quartett, David Geringas

Auf dem österreichischem Label Gramola erscheint eine Aufnahme des letztes Kammermusikwerks von Franz Schubert, dem Streichquintett, C-Dur D 956, eingespielt vom bereits mehrfach ausgezeichneten jungen österreichischen Acies-Quartett mit dem deutschen Cellisten David Geringas.

Luigi Gatti
Serenata / Sestetto
Calamus Ensemble

Wer ist Luigi Gatti? Der italienische Komponist (und katholische Priester) Luigi Gatti war seit 1783 als Hofkapellmeister des Fürsterzbischofs in Salzburg tätig. Vor allem seine brillierende Kammermusik war zu seinen Lebzeiten durchaus populär, geriet aber nach seinem Tode bald in Vergessenheit. Das Calamus-Bläserensemble lässt uns auf dem bei MDG erscheinenden Album einige seiner populärsten Kompositionen wiederentdecken.

Sylvio Lazzari / Volkmar Andreae
Sämtliche Werke für Violine und Klavier
Ilona Then-Bergh & Michael Schäfer

Gleich zwei relativ unbekannte Komponisten aus dem Alpenraum, der Südtiroler Sylvio Lazzari (1857-1944) nd der Schweizer Volkmar Andreae (1879-1962, nicht zu verwechseln mit dem ostdeutschen Rock-Produzenten Volkmar Andrä) werden vom Duo Then-Bergh/Schäfer auf ihrem neuesten Album für das Leipziger Genuin-Label vorgestellt.

Igor Strawinsky
Werke für Violine und Klavier
Anthony Marwood & Thomas Adès

In enger Zusammenarbeit mit dem Violisten Samuel Dushkin schrieb Igor Strawinsky zahlreiche Werke für Violine und Klavier. Teilweise verarbeitete er altbekannte Themen seiner Orchesterwerke, andere Werke schrieb er exklusiv. Das britische Duo Anthony Marwood & Thomas Adès veröffentlicht nun bei Chandos eine Neueinspielung sämtlicher Werke Stawinskys für Violine und Klavier.

Fernando Sor
Frühe Werke für Gitarre solo
William Carter

Fernando Sor gilt als einer der wichtigsten (und fleißigsten) Komponisten für Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts; der US-amerikanische Gitarrist William Carter gehört derzeit zu den besten seiner Zunft: Da darf man gespannt sein auf die neue, beim audiophilen Label Linn Records erscheinende CD mit einer Auswahl aus Sors frühen Werken für Gitarre solo, sowohl musikalisch, als auch klanglich.

Gabriel Fauré
Klavierquartette Nos. 1 & 2 / Nocturne Nr. 4
The Hermitage String Trio, Kathryn Stott

Das Hermitage Stringtrio besteht aus russischen Musikern, die mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt in Großbritannien haben.  Gemeinsam mit der britischen Pianistin Kathryn Stott haben sie für Chandos die beiden Klavierquartette von Gabriel Fauré aufgenommen. Nach den Klavierquintetten letzten Monat (eingespielt vom Schubert Ensemble, → Besprechung) legt das britische Label nur erneut eine Neuaufnahme mit Kammermusik Faurés vor: Man darf gespannt bleiben.

Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn
Suiten und Sonaten
Trevor Pinnock

Henry Purcell beeinflusste die Musik von Georg Friedrich Händel, die wiederum die Musik von Joseph Haydn beeinflusste: Der englische Cembalist (und Dirigent) Trevor Pinnock zeichnete bei seinem Konzert am 10. Mai 2009 in der Wigmore Hall, nun veröffentlicht beim hauseigenen Label Wigmore Hall Live, diese musikalische Folge nach.

Robert Schumann
Klavierquintett / Klavierquartett
Joszef de Beenhouwer & Panocha Quartet

Der belgische Pianist (und Schumann-Experte) Joszef de Beenhouwer, Gewinner des Schumann-Preises der Stadt Zwickau und das tschechische Panocha Quartet legen auf dieser Veröffentlichung des belgischen Labels Phaedra Neuinterpretationen des Klavierquintetts, op. 44 und des Klavierquartetts op. 47 vor.

Ähnliche Beiträge:

Schlagwörter: , , , ,
Hinterlasse einen Kommentar