Minas Borboudakis ist hierzulande noch nicht allzu bekannt, gilt aber unter Kennern der Neuen-Musik-Szene als vielversprechender Komponist.  Die jetzt erschienene Sammlung “Photonic Constuctions” mit Orchester- und Kammermusik-Werken des 1974 geborenen griechischen Komponisten, der seit einigen Jahren in München wohnt (vielleicht ist er deswegen auch vor allem im süddeutschen Raum bekannt), könnte ein wichtiger Schritt sein, das Werk des 35-jährigen bekannter zu machen.

Aufnahmen des Hessischen Rundfunks, des Bayrischen Rundfunks und der staatlichen italienischen Medienanstalt RAI, sowie Aufnahmen aus dem Orff Zentrum München (einem staatlichen Institut zur Erforschung und Verwaltung der Musik Carl Orffs mit einer eigenen Konzertreihe) von verschiedenen Klangkörpers (darunter das renommierte Ensemble Modern aus Frankfurt) machen aus dem Album einen guten, spannungsreichen Überblick über die Musik Borboudakis.

Besonders hervorhebenswert sind das Titelstück “Photonic constructions” (gespielt eben vom Ensemble Modern) und das Streichquartett “Tetraktys” (gespielt vom Quartett des Ensemble Spectral aus München). Sie präsentieren Borboudakis’ Musik als spannungsreiche Werke zwischen pulsierender Energie und fragilsten Momenten, denen stets so etwas wie ein transzendentes Schweben innewohnt. Höhepunkt der CD  ist über 22-minütige Stück “Archégonon”  für Schlagwerk und Orchester (gespielt vom Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai, dem nationalen Sinfonieorchester der Rai) mit Peter Sadlo als herausragendem Solisten. Der Weltklasse-Schlagzeuger Sadlo hatte sich bereits mit der Musik Borboudakis’ intensiv auseinandergesetzt, nachzuhören auf seiner CD “Peter Sadlo spielt Minas Borboudakis” (Cavalli 2002). Borboudakis’ Rückbesinnung auf die mystischen Zusammenhänge seiner Heimat, das Verbindung antiker philosophischer und mythologischer Ansätze mit komplexen, vielschichtigen Kompositionen wird hier (wie freilich auf dem gesamten Album) spannungsreich umgesetzt. Borboudakis’ Musik strahlt eine ursprüngliche, ungeglättete Energie aus (das Licht, wie der Titel des Albums nahelegt), die sich in all seinen Kompositionen wiederfindet.

Besonders lobenswert: Obwohl die Aufnahmen aus unterschiedlichen Quellen stammen (und in unterschiedlichen Besetzungen eingespielt wurden), wirken die Aufnahmen auf der CD, dank eines guten Masterings homogen, so dass man niemals  den Eindruck hat, es handele sich um eine lieblos zusammengestellte CD, im Gegenteil: In der Diskographie Borboudakis’ ist “Photonic Constructions” der empfehlenswerteste Einstieg einer hoffentlich weiterhin sorgsam betreuten Veröffentlichungsreihe.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die CD Photonic Constuctions mit Werken von  Minas Borboudakis, gespielt vom Ensemble Modern, Ars Nova Ensemble Nürnberg, Ensemble Spectral und dem Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai ist am 20. Januar 2010 auf NEOS (10922) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Photonic constructions I for ensemble (2006) – Ensemble Modern, Kasper de Roo [Live-Aufnahme]
  2. Meta-soundscapes (ROAI IV) for ensemble (2008) – Ars Nova Ensemble Nürnberg, Werner Heider
  3. Tetraktys for string quartet (2006) – Ensemble Spectral (Quartett)
  4. Krámata for ensemble (2001/02) – Ensemble Spectral, Minas Borboudakis
  5. Archeéonon for percussion and large orchestra (2002/06) – Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai, Tito Ceccherini; Peter Sadlo – Percussion

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