Der böhmische Komponist Antonín Dvořák (1841-1904) hat einige der beliebtesten Kompositionen für Orchester überhaupt geschrieben, die auch heute immer wieder im Konzertsaal und auf CD zu hören sind: Seine “Slawische Tänze” op. 46 (1878) und op. 72 (1886), das Violinkonzert in a-Moll, op. 53 (1879/80), das Cellokonzert in h-Moll, op. 104 (1895) und vor allem die Symphonie No. 9 in e-Moll, op. 95 (“Aus der neuen Welt”). Auch einige Kammerwerke (vor allem das “amerikanische” Streichquartett, op. 96; das Klavierquintett No. 2, op 81;  das “Dumky”-Trio, op. 90), sein “Stabat Mater” und die späte Oper “Rusalka” erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit; andere Werke, die zu Lebzeiten äußerst erfolgreich waren, etwa die Reihe der Symphonischen Dichtungen nach Karel Jaromir Erben opp. 107-111 sind in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund getreten, vielleicht weil die sogenannte Programmmusik nicht mehr den allerbesten Ruf genießt, vielleicht weil die fünf symphonischen Dichtungen etwas nachlässig als Füllstoff bei Konzerten und CD-Veröffentlichungen eingesetzt wurden.

Nun liegt eine neue CD mit den vier symphonischen Dichtungen vor, die 1896 binnen kürzester Zeit entstanden sind: “Der Wassermann”, op. 107, “Die Mittagshexe”, op. 108; “Das goldene Spinnrad”, op. 109 iund “Die Waldtaube”, op. 110, eingespielt von der Tschechischen Philharmonie aus Prag unter dem ausgewiesenen Fachmann für tschechische Musik, dem Australier Charles Mackerras, der wie kein anderer Ausländer die Musik der großen tschechischen Komponisten zu interpretieren weiß. Mackerras hat während seiner Ausbildung u.a. in Václav Talich in Prag studiert und ist seit Jahrzehnten ein gern gesehener Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie und hat mit ihr zahlreiche Werke der böhmischen und mährischen Meister des 19. und 20. Jahrhunderts für so renommierte Label wie Supraphon und Decca aufgenommen.

Das besondere an dieser CD-Ausgabe ist: Mit einer Ausnahme (“Das goldene Spinnrad”) wurden alle Tondichtungen eigens für dieses Album neu aufgenommen (die Aufnahme des goldenen Spinnrads entstand bereits 2004). Hier wurde also nichtflugs noch etwas aufgenommen, um die Spielzeit der CD ‘aufzufüllen’, Mackerras und die Tschechische Philharmonie haben sich bei gemeinsamen Konzerten und im Studio lange mit den vier Werken beschäftigt. Das Ergebnis ist eine überdurchschnittlich stringente und engagierte Deutung der vier Tondichtungen, deren Spektrum von düsterer Mystik bis ausgelassener Freude reicht. Mackerras überzeugt dabei mit einer klaren Vision dieser überdurchschnittlich melodiereichen Werke, die Tschechische Philharmonie lässt ihren ganzen böhmischen Charme spielen: Warm und weich im Klang, verspielt und bei den Allegros geradezu tänzelnd, dabei von einer beeindruckenden Präzision. Das Klangbild der CD ist plastisch und auch in den schnellen, lauteren Passagen sauber.

Wer die mal hymnischen, mal volksliedhaften Melodien der Symphonie aus der neuen Welt liebt, der sollte unbedingt in diese CD hineinhören: Gerade in dieser mustergültigen Einspielung ist die Nähe zum Magnum Opus der Symphonik Dvořáks unverkennbar. Man muss kein Freund von Programmmusik sein (oder gar die entsprechenden Balladen von Erben kennen), um diese Werke zu schätzen.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die CD Antonín Dvořák – Symphonic Poems, gespielt von der Tschechische Philharmonie unter Charles Mackerras erscheint am 19. Februar 2010 auf Supraphon (4012) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Der Wassermann, op. 107 (Live-Aufnahme)
  2. Die Mittagshexe op. 108 (Live-Aufnahme)
  3. Das goldene Spinnrad op. 109
  4. Die Waldtaube op. 110


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