Archiv für Februar 2010

Sviatoslav Richter in Prag 1954Dass Sviatoslav Richter (1915-1997) unbestritten zu den besten und einflussreichsten, wohl auch zu den emsigsten Pianisten des 20. Jahrhunderts gehörte, ist wohl unbestritten. Neben zahlloser Aufnahmen für west- und osteuropäische Labels (Melodiya, Supraphon, EMI, Columbia, Decca, Deutsche Grammophon, Philips, RCA) gibt es eine nicht enden wollende Anzahl an autorisierten und unautorisierten Konzert- und Radiomitschnitten: Kaum ein anderer Pianist ist so umfangreich diskografisch dokumentiert wie Richter, freilich sind nicht alle Aufnahmen wirklich empfehlenswert: Zwar spielte Richter über die gesamte Länge seiner Karriere auf einem bemerkenswert hohem Niveau, doch oft genug handelt es sich bei diesen Mitschnitten um minderwertig aufgenommenes, schlecht konserviertes und lieblos digitalisiertes Material.
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Gabriel FauréMan könnte meinen, 2010 sei in Großbritannien ein Jubiläumsjahr des französischen Komponisten Gabriel Fauré (1845-1924), so sorgfältig eingespielt (und getimt) sind die Neuerscheinungen mit seiner Musik. Doch so sehr man auch an den Zahlen herumdrehen mag (auch wenn man bedenkt, dass die Uhren im Vereinigten Königreich anders ticken): Es ist wohl eher Zufall, dass nur einen Monat nach der überragenden Neueinspielung seiner Klavierquintette durch das Schubert Ensemble nun eine ebenfalls exzellente Neuveröffentlichung mit seinen Klavierquartetten (wieder) bei Chandos erschienen ist. Dieses Mal zeichnen sich die einfühlsame Pianistin und Fauré-Expertin Kathryn Stott und das Hermitage Stringtrio (ein Streichtrio, dass aus russischen Musikern besteht, deren Lebensmittelpunkt in Großbritannien liegt) dafür verantwortlich.

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Arthur Sullivan - Ivanhoe (CD Cover)Fans der romantischen englischen Oper können sich freuen: Endlich gibt es eine rundum gelungene Aufnahme der fast vergessenen Oper von Arthur Sullivan (der Komponist des englischen Opernduos Gilbert & Sullivan) Ivanhoe (nach der Geschichte von Walter Scott). Das britische Label Chandos, zurecht für seine exzellenten Opern-Aufnahmen (speziell englischer Opern), bekannt, hat auf der erst zweiten kommerziellen Gesamteinspielung des Werkes alles richtig gemacht, was bei der Debüt-Aufnahme 1988, die von der Kritik und der großen (Gilbert-und-)Sullivan-Fangemeinde mit großer Enttäuschung aufgenommen wurde, falsch gemacht wurde: Exzellente, engagierte Sänger, allen voran Neal Davies als Richard Löwenherz (aber auch die Nebenrollen sind überdurchschnittlich mit jungen, hoch talentierten Sängern besetzt), das glänzend disponiertes Orchester der BBC National Opera of Wales, das souverän von David Lloyd-Jones geleitet wird und eine sehr gute Aufnahmequalität, die der Verständlichkeit der Sänger ebenso dient wie der Klarheit des Orchesters. Das Ergebnis ist eine rundum gelungene Aufnahme einer überaus erfolgreichen, aber heutzutage vergessenen Oper des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

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Trevor Pinnock ist hierzulande vor allem durch zahllose Aufnahmen mit dem von ihm gegründeten Originalinstrumente-Ensemble The English Concert bekannt. Zwischen 1972 und 2003 leitete er das Ensemble und führte es in die absolute Weltspitze der historisch-informierten Klangkörper. 2003 dann trat er als Leiter nach mehr als 30 überaus erfolgreichen Jahren zurück, um sich anderen Projekten als Dirigent und als Solist zuzuwenden. Schon zu Zeiten des Englisch Concert hatte er selbst das Cembalo gespielt.
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Ilona Then-Bergh, Bild © genuin.de

Markus Schäfer

Markus Schäfer, Bild © genuin.de

Eine Binsenweisheit besagt: »Nicht alles, was in der Musik hörenswert wäre, wird gehört; nicht alles, was gehört wird, ist wirklich hörenswert« Jeder, der sich mit Musik gleich welcher Art beschäftigt, erfährt sofort, dass Erfolg und Bekanntheitsgrad eines Werkes oder eines Künstlers nur ein sehr zweifelhafter Gradmesser für die Qualität der Musik ist; umgekehrt ist gewiss nicht alles Gold, was auf goldenen Schallplatten glänzt. Wer das nicht glauben will, der mag einfach nur ein beliebiges Mainstream-Radio einschalten und hören, was uns dort vorgedudelt wird. Zwar ist der Klassik-Sektor bisher weitgehend von solchen Manipulationen verschont geblieben, doch auch hier häufen sich die Versuche dem Hörer ein X (für x-beliebig) für ein U, Pardon, für ein E (wie E-Musik) vorzumachen. Auch der eine oder andere Klassiksender beschränkt sich bei seinem Programm auf die ‘Greatest Hits’ oder noch schlimmer, auf die bekannten Themen der ‘Greatest Hits’, wie schauderhaft!
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Louis Spohr - Symphonies Nos 3 and 6Louis Spohr (1784-1859) gehört zu den Komponisten der Romantik, die wir heutzutage deutlich unterschätzen. Kaum ein Werk Spohrs ist heute im Bewusstsein des Musikhörers fest verankert, dabei war Spohr zu Lebzeiten einer der populärsten und bekanntesten Komponisten und Violinvirtuosen Europas. Unter seinen über 200 Werken waren vor allem seine 18 (!) Violinkonzerte, seine Opern, insbesondere seine Faust-Vertonung, seine Oratorien und seine zehn Symphonien überaus bekannt. Seine erfolgreichste (No. 3) und seine umstrittenste (No. 6) hat nun das Orchestra della Svizzera Italiana (OSI) unter dem britischen Dirigenten Howard Shelley für das englische Label Hyperion aufgenommen.
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Der böhmische Komponist Antonín Dvořák (1841-1904) hat einige der beliebtesten Kompositionen für Orchester überhaupt geschrieben, die auch heute immer wieder im Konzertsaal und auf CD zu hören sind: Seine “Slawische Tänze” op. 46 (1878) und op. 72 (1886), das Violinkonzert in a-Moll, op. 53 (1879/80), das Cellokonzert in h-Moll, op. 104 (1895) und vor allem die Symphonie No. 9 in e-Moll, op. 95 (“Aus der neuen Welt”). Auch einige Kammerwerke (vor allem das “amerikanische” Streichquartett, op. 96; das Klavierquintett No. 2, op 81;  das “Dumky”-Trio, op. 90), sein “Stabat Mater” und die späte Oper “Rusalka” erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit; andere Werke, die zu Lebzeiten äußerst erfolgreich waren, etwa die Reihe der Symphonischen Dichtungen nach Karel Jaromir Erben opp. 107-111 sind in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund getreten, vielleicht weil die sogenannte Programmmusik nicht mehr den allerbesten Ruf genießt, vielleicht weil die fünf symphonischen Dichtungen etwas nachlässig als Füllstoff bei Konzerten und CD-Veröffentlichungen eingesetzt wurden.
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L'Armonia Sonora, Quelle: ramee.org

Hana Blažíková, Quelle: ramee.org

Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts war in Deutschland geprägt vom Dreißigjährigen Krieg. Nach dem westfälischen Frieden 1648 erholte sich das Land auch kulturell nur langsam. Das Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen war kein Ende der religiösen Differenzen. Mehr denn je war geistliche Musik gefragtes Gut, sowohl in den katholischen, als auch in den evangelischen Kirchen. Rechtzeitig zur heute beginnenden Fastenzeit, erscheint auf dem Label für Alte Musik Ramée das Album “Harmoniae Sacrae”, eine Sammlung mit Kantaten (oder »geistlichen Konzerten« wie es auf dem Cover heißt), die unmittelbar nach der verheerenden Zäsur des Krieges in Deutschland entstanden. Das belgische Originalinstrumente-Ensemble L’Armonia Sonora, geleitet von der Gambistin Mieneke van der Velden hat sich gemeinsam mit der jungen tschechischen Sopranistin Hana Blažíková und einem der derzeit besten und gefragtesten Bässe in der Szene für Alte Musik, dem Niederländer Peter Kooij Kompositionen kleiner Meister vorgenommen, deren Namen heute fast vergessen sind und deren Werke heute selten aufgenommen und aufgeführt werden.
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Robert SchumannNicht alle Kompositionen, die wir heute als zeitlose Meisterwerke von Robert Schumann betrachten, waren schon zu seinen Lebzeiten populär. Seine großen Lieder- und Klavierzyklen wurden beispielsweise erst nach seinem Tode richtig populär, zu seinen erfolgreichsten Werken zu Lebzeiten gehörte das heute wenig aufgeführte weltliche Oratorium Das Paradies und die Peri, seine “Frühlingssymphonie” (also die Symphonie No. 1 in B-Dur op. 38), sein Klavierkonzert in a-Moll, op. 54 und das Klavierquinett in Es-Dur, op. 44. Der Gewinner des Schumann-Preises der Stadt Zwickau Jozef de Beenhouwer hat nun zusammen mit dem tschechischen Panocha String Quartet dieses schon zu Lebzeiten populäre Werk Schumanns Quintett und sein weniger gespieltes ‘Schwesterwerk’, das Klavierquartett, op. 47 ebenfalls in Es-Dur für das belgische Label Phaedra aufgenommen.

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Die Geschichte des Komponisten Norbert Glanzberg (1910-2001) ist wie ein Spiegel der Ereignisse im Europa des 20. Jahrhunderts. Von jüdischer Abstammung in Lemberg, im damaligen Österreich-Ungarn (heute Ukraine) geboren und kurz nach der Geburt nach Würzburg umgezogen, wuchs Norbert Glanzberg im damals multiethnischen Mitteleuropa auf. Als junger, hoffnungsvoller Komponist begann er 1931 für die Ufa zu arbeiten (in Filmen von Billy Wilder und Max Ophüls), flüchtete aber kurz nach der Machtergreifung der Nazis nach Frankreich, wo er sich als Klavierbegleiter, später auch als Komponist von Chansons (u.a. für Edith Piaf, Yves Montand und Charles Trenet) eine erfolgreiche Laufbahn in der sogenannten U-Musik aufbaute, obwohl er eigentlich eine Karriere als ‘ernsthafter Komponist’ angestrebt hatte. Erst 1998 sollte er nach Würzburg zurückkehren, um dort ein Konzert seiner erst spät im Leben entstandenen “Suite Jiddish” zu geben. Diese ist jetzt, gemeinsam mit seinen kurz zuvor geschriebenen “Holocaust Liedern”, in orchestrierter Form für die vorliegenden SACD vom Orchestre Symphonique de Mulhouse unter Daniel Klajner (dem langjährigen Musikdirektor in Würzburg) eingespielt worden; die Lieder wurden interpretiert vom Dresdner Bariton Roman Trekel.

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