Simon Keenlyside & Malcolm Martineau: Songs from Schubert, Wolf, Fauré and Ravel
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, RezensionDass Simon Keenlyside derzeit zu den meistbeschäftigten und besten Baritonen (nicht nur) der britischen Insel gehört, sollte jedem aufmerksamen Beobachter der Szene längst bekannt sein: Seine Leistungen bei einigen der besten Opernaufnahmen der letzten Jahre, etwa bei den “Nozze des Figaro” unter Jacobs (harmonia mundi, 2004) und als “Don Giovanni” unter Charles Mackerras (DVD/ Blu-ray; Opus Arte, 2008) haben sein Renommee als Opernsänger mit exzellenter Stimme, klarer Artikulation und immensen Einfühlungsvermögen beträchtlich vergrößert. Doch Kennlyside hat schon vor seinen spektakulären Opernproduktionen der späten 1990er/200er eine zweite, ebenso beeindruckende Karriere als Lied-Interpret gestartet. Dabei profilierte er sich sowohl als exzellenter Interpret des deutschen Liedes, unter anderem als einer der beteiligten Sänger der epochalen Gesamteinspielung aller Lieder von Franz Schubert (Hyperion, 1987-1999), als auch als versierter Interpret geistlicher und weltlicher französischer Werke. Das alles ist freilich kein Zufall, denn Großbritannien gilt, ähnlich wie Deutschland, schon seit Generationen als Land mit einer besonderen Affinität zur Liedkunst, sei es beim Publikum, sei es bei den Interpreten.
Als Keenlyside am 26. Oktober 2008 in der legendären Wigmore Hall in London mit seinem musikalischen Partner Malcolm Martineau am Klavier mit seinem Programm mit Liedern Franz Schubert, Hugo Wolf, Gabriel Fauré und Maurice Ravel (und in der Zugabe Francis Poulenc) auftrat, waren Publikum und Kritik ganz aus dem Häuschen. Seine Fähigkeiten als Interpret deutscher Lieder waren ja hinlänglich bekannt, aber die Nonchalance, mit der er auch Fauré und Ravel meisterte (die ja stilistisch kaum mit Schubert und Wolf zu vergleichen sind), war eine echte Überraschung und sorgte für einen überaus abwechslungsreichen Verlauf des Abends. Die ehrwürdige Times schrieb: »Das war vermutlich die ideenreichste Darbietung, die dieser Konzertsaal über Jahrzehnte erlebt hat.«
In der Tat bot Keenlyside an jenem Abend höchste Liedkunst, ganz gleich in welches Lied er sich hineinfühlen musste. Die Magie jenes denkwürdigen Abends wird nun auf der CD “Songs from Schubert, Wolf, Fauré and Ravel” eingefangen, live mitgeschnitten eben während jener Sternstunde in Keenlysides ohnehin schon beeindruckenden Karriere. Und wenn er als Zugabe den laziest song ever, das faulste Lied überhaupt, nämlich “Hôtel” von Francis Poulenc lasziv-leger anstimmt, hat man mit ihm (und seinem kongenialen Begleiter Malcolm Martineau) schon eine wundervolle Reise durch die hohe Liedkunst getan. Ein unverzichtbarer Mitschnitt für jeden Liebhaber der Liedkunst.
Das Album Songs from Schubert, Wolf, Fauré and Ravel von Simon Keenlyside und Malcolm Martineau erscheint am 20. Januar 2010 auf Wigmore Hall Live (67759) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Inhalt:
- Franz Schubert
- An Silvia
- Einsiedelei
- Verklärung
- Die Sterne
- Himmelsfunken
- Ständchen
- Hugo Wolf
- Der Knabe und das Immelein
- Gesang Weylas
- An die Geliebte
- Auf eine Christblume II
- Lied eines Verliebten
- Lied vom Winde
- Gabriel Fauré
- Aubade
- En sourdine
- Green
- Notre amour
- Fleur jetée
- Spleen
- Madrigal
- Le Papillon et la fleur
- Maurice Ravel
- Histoires naturelles
- La paon
- Le grillon
- Le cygnet
- Le martin-pecheur
- La pintade
- Francis Poulenc
- Hôtel
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