Dante Quartet: Claude Debussy – String Quartet · Maurice Ravel – String Quartet, Violin Sonata No. 2
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, RezensionAls im Dezember 1893 das Streichquartett von Claude Debussy uraufgeführt wurde, war die Reaktion sehr gespalten: Ein Teil der Kritik zeigte sich begeistert, ein anderer Teil – darunter pikanterweise eine Reihe Komponisten – waren von dem Quartett nicht angetan. Dennoch setzte sich das ungewöhnliche Quartett, das so gar nicht in das Schema der klassischen Streichquartetts im Sinne von Haydn und Beethoven passt, nach und nach durch und inspirierte Maurice Ravel, den anderen Hauptvertreter des Impressionismus (obwohl längst nicht alles von Ravel impressionistisch ist) zu seinem Streichquartett, das 1904 uraufgeführt wurde. Das Streichquartett sollte ein Wendepunkt in der Wahrnehmung von Ravel Komponisten darstellen: Zuvor war er allzu oft als Salon-Komponist abgetan worden, das Streichquartett war der bisherige Höhepunkt seines Schaffens und barg – neben einiger struktureller Ähnlichkeiten zum Quartett seines Freundes Debussy – einen ganz persönlichen Charakter.
Das englische Dante Quartet hat sich in den letzten Jahren (zurecht!) einen exzellenten Ruf in seinem Heimatland erworben. Ihre letzte Veröffentlichung, die Streichquartette von
Gabriel Fauré und César Franck (auf Hyperion 67664, zur → Vorschauseite), riss die Kritiker der Insel zu wahren Begeisterungsstürmen hin (»Playing of great accomplishment«, Gramophone; »An outstanding disc«, The Guardian; »The Dante Quartet are superb advocates«, BBC Music Magazine), ich prophezeie auch für die neueste Produktion mit den Streichquartetten Debussys und Ravels und der Violinsonate No. 2 (mehr als nur eine ‘Zugabe’) frenetische Kritiken. Der malerische, weiche Klang liegt dem britischen Ensemble ungemein, denn die verspielten Kompositionen mit ihren emotionalen Ausbrüchen gehen dem Dante Quartet geradezu natürlich von der Hand. Die ergänzende Violinsonate (eingespielt von der ersten Violinistin des Quartetts Krysia Osostowicz und dem Pianisten Simon Crawford-Phillips) präsentiert den Impressionisten Ravel von einer anderen Seite. Natürlich: Das Werk entstand rund 20 Jahre nach dem Streichquartett und weist mit seinem zentralen Satz, einem Blues mit unüberhörbaren modernen, jazzigen Anleihen in eine andere Richtung: Ravel ist nicht mehr der verträumte Klangmaler, sondern ein sich stetig fort entwickelnder Komponist, stets auf der Suche nach dem Neuen, nach dem Originellen. Auch (und gerade) wegen der Violinsonate sollte das neue Album mühelos an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen.
Das Album des Dante Quartet mit den Streichquartetten von Claude Debussy und Maurice Ravel erscheint am 20. Januar 2010 auf Hyperion (67759) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de bestellt werden.
Inhalt:
- Claude Debussy: Streichquartett, g-Moll op. 10 (1893)
- Maurice Ravel: Violinsonate No. 2. G-Dur (1923-1927) – gespielt von Krysia Osostowicz und Simon Crawford-Phillips
- Maurice Ravel: Streichquartett in F-Dur (1902-1905)
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