Das Jahr 1685 ist ein überaus interessanter Punkt auf dem Zeitstrahl der Musikgeschichte, wenigstens, wenn man bereit ist, seine Schlüsse aus der Zusammenschau des Zufälligen zu ziehen. Denn im gleichen Jahr, in dem Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach geboren wurden, erhielt ein gewisser Giovanni Battista Vivaldi eine Stelle als Violinist am Markusdom zu Venedig. Wann sein zu diesem Zeitpunkt siebenjähriger Sohn Antonio die ersten väterlichen Geigenstunden erhielt, muss an dieser Stelle offen bleiben – aber warum sollte es nicht auch in jenem denkwürdigen Jahr 1685 gewesen sein, in dem Arcangelo Corelli mit der Veröffentlichung seiner Kammersonaten op. 2 fleißig an seiner Karriere baute? In den verborgenen Winkeln einer Geigenbauwerkstatt zu Cremona trugen sich unterdessen Dinge zu, von denen keiner der zuvor genannten Notiz nahm: Dort versuchte ein anderer Antonio, sich vom übermächtigen Vorbild seines Lehrers Amati zu emanzipieren, und als es ihm 15 Jahre später schließlich gelungen war, begann die goldene Zeit der Stradivari-Violine. So ahnungsvoll zeichnet sich das Bild eines Jahres in der Rückschau, dass die Luft geflirrt haben muss ob all der großen Dinge, die damals im Entstehen begriffen waren.
Allein – so einfach ist es nicht mit der Geschichte, und wer sich in die Zeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts hineinversetzen will, braucht ein Korrektiv, um gewohnte Auffassungen gegen den Strich zu bürsten. In diesem Sinne ist die neue CD der Wiener Gambistin Romina Lischka sehr zu empfehlen, die bei dem belgischen Label Musica Ficta erschienen ist und die Pièces de violle en musique et en tabulature eines gewissen Monsieur Demachy – oft auch als de Machy zu lesen – präsentiert. Diese Kompositionen erschienen – ja: 1685 – in Paris, und sind die erste gedruckte Sammlung von Stücken für Sologambe, auf die ein Jahr später die wesentlich bekannteren Pièces von Marin Marais folgten. So gründlich die Gambe im 18.-19. Jahrhundert von der Violine aus dem Rennen geworfen wurde, und so sehr Werk und Leben von Meistern wie Demachy in Vergessenheit geraten sind, belegen seine Pièces doch eindrucksvoll, dass das Jahr 1685 in Sachen Viola da Gamba überhaupt nichts Vorabendliches an sich hatte, sondern eine Zeit der Blüte war. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 17. Jahrhundert, Alte Musik, Barock, Gambe
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O hne dass man sich dessen wirklich voll bewusst wäre, ist Philip Glass (*1937) einer der bedeutendsten und produktivsten Komponisten des ausgehenden 20. Jahrhunderts und beginnenden 21. Jahrhunderts geworden. Er hat mittlerweile mehr Opern als Richard Wagner geschrieben und vergangenes Jahr die ‘magische Neun’ der Sinfonien mit seiner 10. Sinfonie (Uraufführung am 9. August 2012 im Grand Théatre de Provence im französischen Aix-en-Provence) durchbrochen – und kein Ende seiner Produktivität ist abzusehen.
Aber Glass komponiert nicht nur neue, großformatige Werke, er kümmert sich auch um seinen ‘Back-Catalogue’, also um seinen älteren Werke, speziell seitdem er mit Orange Mountain Music (OMM) ein eigenes Label unterhält, das ihn frei von den wirtschaftlichen Entscheidungen und Zwängen eines Major Labels befreit.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Minimal Music, Philip Glass, sinfonische Musik
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Giuseppe Tartini (1692-1770) war zu seiner Zeit als Violinist eine lebende Legende (und Komponist der bis heute berühmten “Teufelstrillersonate”) und einer der einflussreichsten Komponisten und Musiktheoretiker des europäischen Barock, der das Violinspiel durch zahlreiche neue Spieltechniken bereichert hat. Luigi De Filippi, Violinist des italienischen Klaviertrios von Weltrang Voces Intimae, stellt auf der CD “Sonatas for solo violin” eine repräsentative Auswahl aus Tartinis “Piccole sonate” vor.
Die bei Challenge Classics erschienene CD wurde von Detmar Huchting im unabhängigen Musikmagazin Klassik Heute besprochen.
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Schlagwörter: Barock, Giuseppe Tartini, Klassik Heute, Violine
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Eine der bislang überzeugendsten CDs des laufenden Jahres kommt aus Tschechien. Hier stimmt wirklich alles: Musik, Interpretation, Sound – alles vom Feinsten!
Der junge tschechische Fagottist Václav Vonášek entpuppt sich auf diesem Album als ein höchst beeindruckender Virtuose auf diesem schwierig zu spielenden Instrument. Hört man sich sonst Einspielungen der herrlichen Fagottkonzerte Antonio Vivaldis an, klingen die Solisten häufig gehetzt und bemüht. Nicht so Vonášek: Er bewältigt nicht nur jede spieltechnische Hürde scheinbar ganz ohne Mühe, sondern er ist auch ein bemerkenswert schlüssiger Phrasierer und hat einen wahrlich individuellen, tonal reichen Klang.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Antonio Vivaldi, Barock, Carl Philipp Emanuel Bach, Fagott, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach
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Wäre nicht Giovanni Bottesini (1821-1889), »dem großen unter den raren Kontrabass-Virtuosen«, wie Nils-Christian Engel in seiner trefflichen → Besprechung vor fast einem Jahr formulierte, so gäbe es noch weniger anspruchsvolle und originelle Solo-Literatur für den Kontrabass als es ohnehin schon gibt.
Der niederländische Kontrabassist Rick Stotijn veröffentlichte im April vergangenen Jahres bei Channel Classics einen äußerst validen Versuch Bottesinis Werk und den Kontrabass als Solo-Instrument zu rehabilitieren. Die CD ist nun – mit einer Verspätung, aber besser spät denn nie – von Florian Schreiner m unabhängigen Musikmagazin klassik.com vorgestellt worden.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Kammermusik, klassik.com, Kontrabass, Spätromantik
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Ist die neue CD von Quirine Viersen und Silke Avenhaus eine Kurt-Weill-CD? Oder eine mehr oder weniger lose Sammlung spät- bzw. neoromantischer Cellosonaten, mit Raritäten von Weill, Barber und Pfitzner, die ziemlich selten gespielt und aufgenommen werden? Oder eine Werkschau von Arbeiten, die die drei Komponisten jeweils im Alter von rund 20 Jahren geschrieben haben, eine Art Album der Jugend? Die Entscheidung für einen gemeinsamen Nenner fällt mir denkbar schwer. Denn der Zeitraum von 42 Jahren, in dem die drei Stücke dieses äußerst spannungsreichen Programms entstanden, ist beileibe kein beliebiger: 1890, da lebte Brahms noch, entstand Pfitzners Cellosonate op. 1 in fis-Moll – 1920, also sieben Jahre vor der Begegnung mit Brecht, komponierte Weill seine Sonate – und 1932, im Jahr vor Weills Flucht aus Deutschland und drei Jahre vor seiner Emigration in die U.S.A., entstand Barbers Sonate op. 6. Ein schönes Programm, fraglos, in dem Viersen und Avenhaus einmal mehr zeigen, wie gut sie aufeinander eingespielt sind nach stattlichen 17 Jahren Zusammenarbeit in Konzert und Studio – und das von viel mehr Querverbindungen durchzogen ist, als expressis verbis dazu gesagt wird. Machen wir uns also einen Reim darauf! Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Cello, Hans Pfitzner, Kammermusik, Kurt Weill, Samuel Barber, Spätromantik
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Der (vermutlich) in der Nähe von Rom geborene Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514?-1594) gehörte zu den fleißigsten und bekanntesten Komponisten des 16. Jahrhunderts: 104 Messen, 375 Motetten, dazu zahlreiche Magnificatvertonungen, Hymen, Offertorien und 140 weltliche Madrigale sind in der 30-bändigen kritischen Ausgabe seiner Werke aufgeführt. Seine Werke waren so bedeutend, dass schon bald nach seinem Tod aus seinem Personalstil der Palestrinastil wurde, der als Modell den nachfolgenden Komponistengenerationen diente. Bis heute greifen Chormusik-Komponisten auf seine Techniken und seine Neuerungen zurück.
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Schlagwörter: 16. Jahrhundert, Chorwerke, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Renaissance, sakrale Musik
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Auf der vierteljährlichen Bestenliste des unabhängigen Preises der deutschen Schallplattenkritik werden die interessantesten und gelungensten Veröffentlichungen des vergangenen Quartals in verschiedenen Kategorien – von Klassik bis Pop/Rock – auszeichnet. Der Auszeichnung ist gleichzeitig eine Nominierung für den begehrten (noch begehrteren) Jahrespreis.
Auf der heute veröffentlichten zweiten Bestenliste des Jahres wurde ein Titel aus dem Codaex/New Arts International-Vertrieb ausgezeichnet: In der Kategorie Jazz (traditionell und modern) wurde die Tobias Becker Bigband für ihr Album “Life Stream” ausgezeichnet, das im März beim Ludwigsburger Label Neuklang erschien.
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Schlagwörter: 2013, Bestenliste, Jazz, Neuklang, Preis der deutschen Schallplattenkritik, Tobias Becker Bigband
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Georges Bizet (1838–1875) hat den phänomenalen Erfolg seiner Oper “Carmen” nicht mehr miterlebt. Bei der Uraufführung waren Publikum und Kritiker nur mäßig begeistert, vom Weltruhm, den die Oper bald erlangen sollte, bekam der unglücklich früh verstorbene Bizet nichts mehr mit. Heute ist die Oper ein unverwüstlicher Dauerbrenner, der den krisengeschüttelten Opernhäusern regelmäßig ein volles Haus beschert. Diese Carmen nutzt sich einfach nicht ab.
Auch beim berühmten Opern-Festival in Glyndebourne sorgte eine phänomenal besetzte Carmen-Inszenierung mit Anne Sofie von Otter, Marcus Haddock, Laurent Naouri, Lisa Milne und dem London Philharmonic Orchestra unter Philippe Jordan für einen großen Publikumserfolg. Ein Live-Mitschnitt aus den umjubelten 2002er-Aufführungen wurde nun beim Festival-eigenen Label veröffentlicht.
Die aufwendig gestaltete 3-CD wurde nun vom Redakteur Benjamin Künzel sehr im unabhängigen Musikmagazin klassik.com vorgestellt.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Georges Bizet, Glyndebourne, klassik.com, Oper, Romantik
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Die Klavierkonzerte von Joseph Haydn (1732-1809) gelten, im Gegensatz zu denen seiner ‘Wiener-Klassik-Kollegen’ Mozart und Beethoven, als weniger bekannt, weniger populär. Vielleicht liegt es daran, dass Haydn nicht die selbe lang andauernde Energie in seine Konzerte wie in Sinfonien stecke – die Konzerte waren oft Gelegenheitswerke für befreundete Musiker – vielleicht auch, weil große Verunsicherung darüber herrscht, welche Klavierkonzerte wirklich von ihm stammen. Skrupellose Musikverleger machten mit dem Markennamen Haydn seinerzeit schnelles Geld.
Gesichert sind nach heutigem Kenntnisstand 11 Klavierkonzerte. Die drei besten Konzerte – in F-Dur, Hob.XVIII:3; G-Dur, Hob.XVIII:4 und in D-Dur, Hob.XVIII:11 – hat nun der kanadische Pianist Marc-André Hamelin für seine neueste Hyperion-Produktion gemeinsam mit dem Originalinstrumente-Ensemble Les Violons Du Roy unter Bernard Labadie aufgenommen.
Das Album wurde nun beim süddeutschen Kulturradio BR Klassik von Oswald Beaujean als “CD der Woche” vorgestellt.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, BR Klassik, Joseph Haydn, Klavier, Konzert, Marc-André Hamelin, Originalinstrumente, Wiener Klassik
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